Andacht zum 30. Dezember 2016: Oberleitungsschaden

Guten Morgen,
hat es Sie letzte Woche auch erwischt, als bei der Bahn gefühlt gar nichts mehr ging?
Zuerst auf der Strecke von Nürnberg nach Erlangen – und dann ging ab Mittwoch zwischen Fürth und Nürnberg nichts mehr.
Beide Male war ein Oberleitungsschaden die Ursache. Weil von oben nichts mehr kam, blieben die Lokomotiven auf der Strecke stehen.
Ja, so ist es, wenn der Kontakt nach oben fehlt … ach … Sie ahnen doch schon längst worauf ich in dieser Andacht hinauswill! Klar: die Verbindung nach “oben” zu Gott, und dass einem das Kraft gibt!
Und weil Sie das alles ja wissen, sage ich da auch gar nichts weiter, sondern erinnere Sie nur daran. Ja! Manchmal weiß man Dinge, und es ist doch gut, wenn man sic das wieder bewusst macht: Zum Beispiel, dass man den Kontakt nach “oben” nicht verliert.
Darum mus ich nun gar nichts mehr sagen – sondern wünsche Ihnen einen schönen Tag und eine guten Draht zu ihrem Herrgott

Andacht zum 26. Dezember 2016: Reiß den Himmel auf

Guten Morgen,
letzte Woche hat mir dieses trübe Wetter so richtig zu schaffen gemacht. Wenn alles so nebelig ist. Kein bisschen Sonne schaut raus. -Furchtbar!
Wenns nur mal wenigstens kurz aufreißen würde, die Wolken auf die Seite, das ich meine Nase für ein paar Minuten in die Sonne strecken kann.
“Oh Heiland reiß die Himmel auf”, so heißt ein altes Adventslied. Da sehnt sich auch einer nach einem offenen Himmel. Wobei er allerdings nicht auf die Sonne wartet, sondern auf auf diesen Jesus, der an Weihnachten geboren wird. Und dabei denkt er nicht nur an das kleine Baby, sondern an diesen Christus, der die Welt und ihre Menschen verändern wird.
Davon würde ich auch gerne öfter etwas spüren. Von den warmen Strahlen, die von diesem Jesus ausgehen; Strahlen die viel mehr in mir bewegen können, als die tiefstehende Wintersonne
Aber wie das Lied schon nahelegt: Oft ist der Himmel bedeckt – und dann heißt es wieder warten bis diese besonderen Momente kommen, wo der Heiland den Himmel aufreißt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 19. Dezember 2016: Die leere Krippe

Gute Morgen,
auf meinem Schreibtisch steht eine kleine Krippe. Nur die Futterkrippe, nichts drum rum, kein Stall, keine Tiere, keine Maria. Auch der Jesus fehlt noch. Schließlich sind es ja noch 9 Tage bis Heiligabend. Solange bleibt die Krippe leer.
Für mich ist sie das Zeichen dass man manchmal einfach warten muss, bis die Zeit für etwas Bestimmtes gekommen ist.
Ich will ja sonst auch gerne immer alles gleich! – Und da bremst mich die Krippe und schickt mich zurück zu meiner Sehnuscht nach Glück, nach Liebe und nach Frieden für diese Welt.
Advent ist nicht die Zeit der Wunscherfüllung, sondern die Zeit der Sehnsucht.
Denn diese Sehnsucht lässt mich spüren: Das, was ich mir da alles erhoffe, was mir wirklich wichtig ist, muss ich geschenkt bekommen – weil ich das selber gar nicht schaffen kann.
Und ich freue mich auf den Heilgen Abend, wenn ich dann die klitzekleine Jesusfigur in die leere Krippe hineinlegen kann und weiß: Ich bin nicht allein – Gott ist da, und schenkt mir, wonach mein Herz sich sehnt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 17. Dezember 2016: Etwas auf dem Kerbholz haben

Guten Morgen
Es gibt ja die schöne alte Redensart, dass einer “mächtig was auf dem Kerbholz hat”. Damit meinen wir: da hat sich jemand etwas zu Schulden kommen lassen.
Das Kerbholz gab es tatsächlich: Zu einer Zeit, in der der Wirt im Gasthaus für jeden seiner Stammgäste ein Holz hatte. In das ritzte er entsprechend der Schulden seiner Kunden kleine Kerben hinein. Je mehr Schulden man beim Wirt hatte, umso mehr hatte man also auf dem Kerbholz.
Wie wäre das, wenn Gott im Himmel auch so Kerbhölzer für uns Menschen hätte? Wenn mit jedem Fehler, den ich begehe, Gott eine Kerbe in mein Kerbholz schlagen würde … und irgendwann müsste ich dafür bezahlen.
Als Christ bin ich heilfroh, dass Gott beschlossen hat, anders mit unseren Fehlern umzugehen. Das hat zwar mit Holz zu tun – zwei Balken, aufgestellt vor fast 2000 Jahren an Ortsrand von Jerusalem – da hing Jesus dran.
Das war sein Zeichen: Weil er uns liebt, gibt es keine Kerbhölzer, sondern einen himmlischen Vater, der bereit ist, zu vergeben.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 16. Dezember 2016: Weihnachten in Gefahr?

Guten Morgen
Weihnachten rückt immer näher. Wir befinden uns sozusagen schon in Landeanflug auf das große Fest. So langsam sollte alles fertig organisiert sein, damit am Ende alles besorgt ist nichts mehr schief geht.
Aber nicht erst der Blick in die Zeitung zeigt, dass auch so kurz vor Weihnachten weiterhin etwas schief gehen kann. Unfälle passieren, man wird krank, Beziehungen gehen in die Brüche und auch die Todesanzeigen werden nicht weniger. Was wird dann aus Weihnachten, wenn gerade kurz vor dem Fest so etwas über einen hereinbricht?
Weihnachten muss dann nicht ausfallen – aber es würde anders werden:
Nicht so stylisch, weil Glitzer dann einfach nicht mehr dazupasst.
Aber das Kind in der Krippe– die im dreckigen Stall getrandete Familie im Ausnahmezustand – die passen da ganz gut. Nein: Die passen perfekt! Denn das ist doch der Kern der Geschichte: Dass mitten im Dunkel ein neues Licht erscheint – zaghaft klein in der Krippe – mit seiner Botschaft: Gott lässt dich gerade in den düsteren Stunden nicht allein. Er ist dir nah; mit diesem Kind in der Krippe.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 10. Dezember 2016: Ein Mann wie ein Baum

Guten Morgen
“Ein Mann wie ein Baum“ – kennen sie auch solche Menschen?
Ein bisschen ist es vielleicht tatsächlich die Statur: Groß und breit. Aber viel wichtiger ist, dass er sich so schnell erschüttern lässt. Er strahlt Ruhe und Souveränität aus; in seiner Nähe fühle ich mich wohl… sogar ein bisschen geborgen. Und ich vermute viel Kraft bei ihm, obwohl er nicht der Typ ist, der zuschlägt.
Manchmal wäre ich auch gerne ein bisschen wie so ein Baum.
Will mich nicht von jedem Sturm verrückt machen lasssen. Ruhe bewahren. Und auch in Krisenzeiten aufrecht stehen, nicht den Halt zu verlieren, und vielleicht auch anderen Geborgenheit vermitteln.

Ich denke, es hängt viel davon ab, wo ich als menschlicher Baum meine Wurzeln hineingraben kann. Der Prophet Jeremia hat einmal so formuliert:
Gesegnet ist der Mann, der sich auf Gott verlässt. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 3. Dezember 2016: Offene Ohren haben

Guten Morgen

Warum sagen wir manchmal, dass jemand “ein offenes Ohr” für eine Angelegenheit hat? Denn eigentlich sind die menschlichen Ohren immer offen. Wir können sie nicht verschließen. Mund und Augen kann ich zuklappen – die Ohren haben da nichts.
Das Problem ist ja eher, dass Dinge von einem Ohr hinein und zum anderen wieder hinausgehen. Ein Wissenschaftler will festgestellt haben, dass wir Männer beim Zeitung lesen zwar die Stimme unserer Partnerin hören – gegenenfalls nicken oder “ja” sagen, aber letztlich nichts von dem mitbekommen, was sie eigentlich erzählt hat.
Sehr ärgerlich ist das dann, wenn die Frau ihrem Mann die Planung des kommenden Tages erklärt, und weil kein Widerspruch kommt, glaubt sie, ihr Mann wäre einverstanden – in Wirklichkeit aber hat er keinen blassen Schimmer, was da auf ihn zukommt.
Ein offenes Ohr füreinander haben, das heißt: Wirklich hinhören und hinsehen!
Nicht nebenher Whatsapp lesen oder auf den Fernseher starren.
Stattdessen die Wünsche und Gefühle des Anderen wahrnehmen.
Die Zwischentöne heraushören.
An den Augen ablesen, wie die Worte gemeint sind, die ich gerade höre.
Haben sie also bitte nicht nur offene Ohren, sondern auch offene Augen füreinander.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 26. November 2016: Noch alle Tassen im Schrank?

 Guten Morgen!
Haben sie sich auch macnhmal überlegt, ob Sie noch alle Tassen im Schrank haben? Also in der Küche …. Da geht ja öfter mal etwas kaputt, man verleiht etwas und kriegts nicht zurück, oder der Freund hat eine Tasse halbvoll im Bastelkeller stehen lassen, und da schimmelt sie nun vergessen vor sich hin. Da ist es schon gut, wenn man hie und da mal nachschaut, ob noch alle Tassen im Schrank sind – ob noch alles passt.

Wenn sie schon am nachsehen sind: Dann könnten sie man ja auch nachschauen, ob noch alles richtig sortiert ist in Schrank, in der Küche… und im Leben. Da wird im eigenen Leben ja auch so oft was verändert, Ziele kommen einem abhanden, Hoffnungen zerbrechen, Beziehungen kriegen einen Knacks. Dann muss man plötzlich umdisponieren, weil alles ganz anders kommt, als gedacht. Und dann sieht nach einiger Zeit der Tassenschrank meines Lebens ganz anders aus – ich weiß gar nicht, ob das noch meiner ist, oder ob ich da mal was ändern muss.

Der Buß- und Bettag heute ist eigentlich genau dafür gemacht: Ein Tag, um mal bei sich selber nachzusehen, ob im Leben noch alles an der richtigen Stelle ist. Oder ob sie vielleicht endlich mal etwas umräumen wollen.
Eine guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 20. November 2016: Wo gehobelt wird …

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Ein alter Spruch zu einer noch älteren Praxis – Wenn zum Beispiel in der Schule ohne großes Federlesen der nächstbeste Verdächtige bestraft wurde, weil nach der Pause eine Lehrerkarikatur an die Tafel gemalt war.

Es gibt Leute, die besuche ich als Pfarrer zum 75. oder 80. Geburtstag … und irgendwann erzählen sie mir so eine Geschichte. Wo es sie unschuldig erwischt hat … und auch nach über einem halben Jahrhundert spürt man noch, wie sie das damals verletzt hat. Sie wissen nicht mehr viel über die Schulzeit, aber das hat sich tief in die Erinnerung eingebrannt. Ob der Lehrer damals geglaubt hätte, dass diese ungerechen Schläge das einzige sein werden, an das sich dieser Schüler noch nach Jahrzehnten erinnern wird?

“Wo gehobelt wird, fallen Späne” – mit diesem netten Satz versuchen wir es auch heute ganz gerne, zu beschönigen, dass wir es mit der Gerechtigkeit nicht so ganz genau nehmen. Weils eben sonst viel zu aufwendig wäre, in der Schule, auf der Arbeit oder in der Familie.  Wir können es uns schönreden, aber wir dürfen nicht übersehen: Die, die wir ungerecht behandeln, werden es vielleicht ihr Leben lang nicht vergessen. Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 12. November 2016: Das Rouladen-Team

Guten Morgen,
in manchen Firmen gibt es Teams, die sind wie eine Rinderroulade. Denn da sind auch alle möglichen Zutaten zusammengepfercht, die freier Wildbahn niemals zusammenfinden würden: Rindfleisch, Senf, Gurken, Speck, Karotten… – Und eigentlich halten sie bloß zusammen, weil da jemand mit einem Faden oder einer Rouladennadel das Ganze schön fest zusammengepackt hat. Sonst würde da bald jeder seinen eigenen Weg gehen.

Rouladen sind echt etwas total Leckeres. Weil jede Zutat eben anders ist. Jeder bringt seine individuelle Prägung ein. Die schmecken nie langweilig. Wenn Sie in so einem Rouladenteam arbeiten, dann ist das nicht unbedingt komfortabel. Aber Sie können in der Sache streiten, ohne die Angst, zu haben, die Kuschelatmosphäre zu gefährden.
Rouladenteams brauchen kein gemeinsames Bier am Abend: – Aber sie brauchen dringend gegenseitigen Respekt. Denn genau der ist Ihre Rouladennadel, die Sie davor bewahrt, dass Ihnen das alles auseinanderfliegt. Also, auch wenn es hoch her geht: Lassen Sie die Anderen spüren, sie die Anderen respektieren und umgekehrt auch respektiert werden wollen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen