Andacht zum 8. November 2016: Mücken und Kamele

Guten Morgen,
in Belgien gibt es eine Redensart aus der Bibel, die wir in Deutschland gar nicht kennen. Da betitelt man jemanden gerne als “Mücken-Aussieber”, wenn er allzu kleinlich ist. Denn Jesus sagte Jesus einmal zu den Pharisäern: Ihr siebt die Mücken aus, aber die Kamele schluckt ihr runter (Matthäus 23,24).
Auch wenn es das Sprichwort bei uns nicht gibt, kenne ich die Sache, um die es geht, nur zu gut: Wenn ich mich mal wieder über so Kleinigkeiten aufrege. Jaja, es sind Kleinigkeiten! Aber die gehen mir halt auf die Nerven, und da kann ich die Klappe nicht halten. – Das sind die Mücken.
Die Kamele, die großen Probleme, die grundsätzlichen Fehler im System, da bin ich viel großzügiger; vielleicht auch, weil ich mich da häufiger überfordert fühle und glaube, sowieso nichts machen zu können.
Kann es sein, dass es die Kamele sind, die die Mücken erst anlocken? Vielleicht müsste ich doch den Mut haben, manches grundsätzlicher anzugehen und erst das Kamel aus meinem Zimmer zu verscheuchen, bevor ich versuche, die ganzen Mücken zu erschlagen? Denn solange das Kamel noch da ist, wird so Manches nicht besser werden.
Ich wünsche ihnen einen guten Tag, und viel Erfolg als Kamel-Vertreiber

Andacht zum 5. November 2016: Nussknacker

Guten Morgen
Herbst ist die Zeit zum Nüsseknacken. Ober besser gesagt: Zeit für den Versuch, Nüsse zu knacken. Denn oft genug geht das schief, weil sich bei den meisten Nussknackern die Kraft nur ganz schwer dosieren lässt.
Also drücke ich immer fester und noch ein bisschen, und dann krachts, die Schale zerbricht …. aber es war doch zu viel und der Nussknacker zermalmt den zarten Kern zu Brei. Schade drum!
Da merke ich: Nüsse sind da uns Menschen recht ähnlich. Bei uns gibts ja auch immer wieder Expemplare, die eine harte Schale, und diesen sprichwörtlichen weichen Kern haben.
Bei diesen ruppigen Zeitgenossen bin ich auch oft in der Versuchung, ein bisschen kräftiger hinzulangen. Denn so, wie sich sich meist geben, verlangen sie ja förmlich danach, dass man sie ein bisschen … spezieller anpackt.
Aber da täuscht man sich schnell: Die sind oft viel sensibler, als man denkt: In nullkommanichts sind sie verletzt, geränkt und eingeschnappt. Da geht dann viel empfindliches kaputt.
Da merke ich immer wieder. Die narten Nüsse (die am Baum, und die auf zwei Beinen), die erfordern immer ein besonders vorsichtiges Händchen.
Einen guten und feinfühligen Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 29. Oktober 2016: Ordnung?

Guten Morgen,
manchmal besuche ich Menschen, die haben eine Wohnung, wie im Möbelhaus: Alles ist perfekt aufgeräumt, da liegt nichts rum. Keine drei Zeitungen auf dem Tisch, kein Wäschestapel in der Ecke, kein Kinderspielzeug über das man stolpern könnte. Wie perfekt geschleckt.
Da fühle ich mich manchmal fast schon als schlechter Mensch, wenn ich an mein Wohnzimmer, denke, wie es da aussieht – und in den anderen Räumen ist noch weniger Ordnung.
Dann schaue ich in meine Bibel und suche, was da Jesus über die Ordnung im Haus gesagt hat: Nämlich nichts! Das ist ihm nicht wichtig!
Stattdessen sagt er viel zum Thema Liebe: Liebe zu Gott und zu den anderen Menschen. Da geht es interessanterweise auch oft ums Aufräumen:
Streitigkeiten weglegen:
Eine offene Türe für Jemanden haben.
Freundliche Worte für Gäste bereitlegen.
Aus dem eigenen Herzen Gedanken von Neid und Wut herausfegen.
Da hat man beim Aufräumen und Schmücken in sich selber ganz schön tun. Darum ist für das Wohnzimmer daheim oft keine Zeit und Kraft mehr. Aber ehrlich gesagt: Wenn ich in mir Frieden mit mir selber, mit Gott und den anderen Menschen habe, dann ist mir der ungebügelte Wäschestapel neben dem Sofa auch egal.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 25. Oktober 2016: Gute Nachbarschaft

Guten Morgen,
manchmal finde ich in meiner Bibel Sprichwörter, bei denen ich länger überlegen muss, was sie mir sagen wollen. Zum Beispiel das hier: „Ein Nachbar in der Nähe ist besser als ein Bruder in der Ferne“ (Spr 27,10).
Anscheinend gab es schon zu in den biblischen Zeiten diese diffuse Angst, den Nachbarn um Hilfe zu bitten.
Man will ja nicht stören, sich vom Nachbarn nichts ausleihen und dadurch ihm etwas schuldig sein. Man weiß ja auch nicht, wie er wirklich tickt. Und so bleibt jeder für sich, vertraut auf die Verwandtschaft und Freunde, die man schon ewig kennt.
Schade – als Pfarrer habe ich schon oft miterleben dürfen, wie Nachbarn in schwierigen Zeiten die Rettung waren. Da ist eine junge Mutter einer Familie schwer krank, für Monate in der Klinik. Und die Nachbarn wechseln sich beim Kochen und bei der Hausaufgabenhilfe ab. Machen Ausflüge mit den Kindern, trösten abends den verzweifelten Vater.
Gute Nachbarschaft, die solch ein Netz entstehen lässt, ist nicht selbstverständlich – aber man kann versuchen, an diesem Netz mitzuknüpfen. Dazu muss man aufeinander zugehen, sich manchmal einen Schubs geben, um diese angeborene Schüchternheit und Skepsis überwinden, die es offenbar schon zu biblischen Zeiten gab.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 20. Oktober 2016: Weltstatistiktag

Guten Morgen
Heute ist der Weltstatistiktag. Damit wollen die Vereinten Nationen auf die Bedeutung von genauen Statistiken für die Arbeit der Regierungen hinweisen, die ja wissen wüssen was im Land los ist und was verbessert werden muss.
Das leuchtet mir durchaus ein. Auf der anderen Seite spüre ich, was Statistiken und Umfragewerte mit mir machen. Wenn ich lese, wie oft der Durschnittsbürger pro Woche duscht, wieviel Bier er trinkt, wieviel Kinder er hat und wie oft er fremd geht – da stelle ich fest: Ich da ganz anders – und so ganz leise nagt in mir die Frage, ob ich denn wirklich so ein Exot bin. Bin ich etwa nicht normal? Muss ich da jetzt bei mir etwas ändern?
Nein! Ich bin, wie ich bin, schließlich bin ich der Überzeugung, dass Gott mich genau so gemacht hat. Und die Anderen? Ja, die hat er auch gemacht, jeden ganz individuell alle 80 Millionen hier im Land. Und die Statistik ist halt nur eine Zahl, für Politiker zum Planen – keine, nach der ich mich richten brauche. Denn ein Durchschnittsmensch will wirklich keiner sein.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 15. Oktober 2016: Der Zierkürbis – einfach nur schön

Guten Morgen
In der vergangenen Woche habe ich jeden Morgen über eine andere Frucht aus unserem Garten gesprochen: Tomate, Kartoffel, Zucchini, Karotte, – heute solls der Zierkürbis sein.
Mit dem können so manche Leute in Franken gar nichts anfangen: Wozu soll ich in meinen Garten Früchte anbauen, die man nicht essen kann? Die ganze Arbeit bloß für ein paar bunte Kürbisschen, die man als hübsche Dekoration ins Zimmer stellt? Einfach so?
Aber ist das nicht gerade das Schöne im Leben? Das “Einfach so?”
Einfach so im Garten sitzen und nichts tun müssen – nicht gleich wieder aufspringen, weil ich ein Unkraut sehe.
Einfach so seiner Frau Blumen mitbringen – ganz ohne Hochzeits- oder Valentinstag.
Einfach so in einer Kirche sitzen, die Ruhe und die besondere Stimmung auf sich wirken lassen.
Einfach so, Zierkürbisse abauen, weil sie halt schön sind.
Einfach so leben – weil Gott mich auch “einfach so” gemacht hat – weil er gut fand, dass ich auf dieser Welt bin.

Andacht zum 11. Oktober 2016: Die integrierte Zucchini

Guten Morgen,
Die Zucchini kennen wir alle – und meisten wissen nicht, wie man sie richtig schreibt. Das hat seinen Grund in ihrer italienischen Herkunft
So lange gibts sie a noch nicht in unseren Gärten. Erst allmählich kam sie nach Deutschland, so wie unsere italienischen Gastarbeiter, die Pizzabäcker und die Eisdielen.
Vor 40 Jahren war die Zucchini ein exotisches Gemüse und Mario nannten wir Spaghettifresser, und der hatte es in der Grundschule mit seinen schwarzen Haaren nicht immer leicht.
Heute lieben wir unsere Zucchinis, züchten sie richtig fränkisch, nämlich g´scheit groß! Und sie landet im Kuchen, im Eintopf, eigentlich fast überall. Fremd ist sie schon lange nicht mehr
Und Mario, unser Spagettifresser aus der Grundschule, arbeitet in der Sparkasse als Berater für Kleinunternehmer. – Und er isst auf der fränkischen Kerwa am liebsten ein Schäuferla.
Integration – von Gemüse und von Menschen braucht seine Zeit – aber Mario und die Zucchini zeigen mir, das das ganz wunderbar gelingen kann – wenn wir Geduld haben: Dann kann es auch klappen – Ibrahim, dem Kopftuch – und vielen Andren, die uns noch gescheit fremd erscheinen.

Andacht zum 8. Oktober 2016: Die Tomate – Der treue Freund des Menschen

Guten Morgen,
die Tomate, das ist ja eine Pflanze mit höchst betrüblicher Geschichte. Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte hat man einen großen Bogen um sie gemacht – denn sie galt als giftig. Später musste sie für einige unfreundliche Redensarten ihren Namen hergeben: Man sagt „Du hast wohl Tomaten auf den Augen“, oder man spricht davon, dass jemand eine „treulose Tomate“ ist, wenn man sich nicht auf ihn verlassen kann.
Aber in Wirklichkeit ist sie ja ein ganz treuer Freund der Menschen. Was wäre eine Pizza ohne Tomatenbelag, oder was wären die Pommes ohne Ketchup, was würde man im Urlaubflieger trinken, wenn nicht Tomatensaft! Nicht zu unterschätzen ist auch die Wirkung auf unser Immunsystem. Da ist die Tomate ja ausgesprochen wirkungsvoll. Aber da gibts ja kein freundliches Sprichwort für die Tomate.
Das ist ja wie im richtigen Leben, diejenigen, die immer und überall für andere da sind, gerne helfen ohne sich lange zu zieren – denen wird es viel zu selten gedankt. Weil es ja so selbstverständlich ist.
Den Tomaten kann es egal sein. Aber die Leute, die sich so selbstverständlich für Andre einsetzen, die sollten wir schon öfter wissen lassen, dass wir es wunderbar finden, dass sie für uns da sind.

Andacht zum 1. Oktober 2016: Die Kartoffel – Gottes geniale Idee

Guten Morgen,
eigentlich ist sie ja die unattraktivste Pflanze auf Gottes Erdboden. Braun, dick und rund, mit allerlei unförmigen Dellen. Und wer da einfach mal reinbeißt, ist maßlos enttäuscht: Hart ist sie, und ihr Fruchtfleich schmeckt eklig mehlig. Die Rede ist von der Kartoffel.
Was für ein Glück, dass irgendwann Menschen gute Ideen gehabt hätten, was man daraus alles machen kann…..:
Pellkartoffeln – frisch gekocht, mit einer Flocke Butter und einer Prise Salz.
Runde dampfende Klöße zum Sonntagsbraten.
Nicht zu vergessen: Baggers, Pommes und Kartoffelchips.
Unglaublich, was aus dieser tristen Knolle alles werden kann!
Als Gott entschieden hat, dass auch Kartoffeln zu unserer Schöpfung gehören, hat er das schon so eingeplant? Oder verdanken wir es unserer menschlichen Phantasie und unserem Einfallsreichtum. – Naja, das haben wir ja wohl auch als Talent vom Schöpfer bekommen.
So oder so: Gott sei Dank gibts die Kartoffel, und die Pommes, die Klöß und die Baggers

Andacht zum 24. September 2016: Die Karotte – Abwarten

In meiner Kindheit war unser Karottenbeet im Garten wie eine Losbude: Oft bin ich hingeschlichen und habe mir die Pflanzen genau angeschaut. Die großen wuscheligen Blätter und die kleinen orangefarbenen Höckerchen der Karotten, die aus der Erde schauten. Welche soll ich aus der Erde ziehen, um sie zu naschen? Die eine schaut viel breiter aus als die daneben; aber dafür ist eben nicht so viel Kraut dran. Wo muss ich ziehen, um eine ordentliche Karotte zu ernten? Denn wenn ich sie einmal aus der Erde geholt habe, kann ich sie ja nicht wieder zurückstecken. Die wächst dann ja nicht mehr weiter.
Manchmal hat es geklappt, und gelegentlich musste ich an einem kümmerlichen Etwas herumknabbern, das gerade mal ein paar Zentimeter lang war.
Jetzt bin ich erwachsen; und es sind nicht mehr die Karotten, bei denen ich auf den richtigen Moment warte, um sie aus der Erde zu ziehen.
Heute sind es Projekte, bei denen es darauf ankommt, sie im richtigen Zeitpunkt zu starten.
Bei den eigenen Kindern überlegt man hin und her, ob sie denn schon reif sind, für den Schritt in ein selbstständiges Leben.
Immer wieder muss ich im Leben den richtigen Moment abwarten – und da ist das Feld mit den Karotten ein gutes Training gewesen: Weil es mir geduldiges Abwarten gelehrt hat, und dem Mut, irgenwann auch mal beherzt zuzupacken , und das Ding aus der Erde zu ziehen.
Einen guten Tag wünsche ich ihnen.