Andacht zum 20. September 2016 : Die Traube – Sich von Überflüssigem trennen

Guten Morgen
Bei uns in Franken kommt die Weinlese so gerade in Schwung. Wenn man sich jetzt die Trauben in den Weinbergen anschaut, ist das schon beachtlich, was so ein knorriger alter Weinstock alles hervorbringt. Da ist ja eigentlich nicht viel dran: Ein paar Blätter, wenige Äste -und so prächtige, volle Weinreben. In den Monaten zuvor ist der Winzer immer wieder durch den Weinberg gegangen und hat alles Überflüssige weggeschnitten. Er weiß, das die vielen Blätter und Ästchen drumherum zwar schön aussehen, aber die Trauben eher schwächt, als ihnen etwas bringt.
Da kann ich schon verstehen, dass Jesus einmal die Menschen mit Weinreben verglichen hat. Er sagte: Es ist ganz wenig, was ihr zum guten Leben braucht. Und vieles von dem, womit ihr euer Leben schmückt, ist eigentlich nur kraftraubender Ballast. Ich bin der Weinstock, den ihr braucht, der euch die Kraft zum Leben schenkt. Beim den übrigen Dingen, könnt ihr auf mehr verzichten, als ihr denkt – und werdet dadurch mehr gewinnen als verlieren.
Aber ehrlich: So sehr mir das auch einleuchtet: Bis ich mal den Mut habe, mich von Überflüssigen zu trennen, ist das schon immer ein verflixt langer Weg.

Andacht zum 3. September: Im Schein der Taschenlampe

Guten Morgen
schon wieder war da so ein blöder Wasserfleck an der Decke! Immer wenns länger geregnet hatte, tauchte der auf. Irgendwas stimmte da nicht an unserem Dach nicht.
Also bin ich dann doch einmal unters Dach gekrabbelt und habe nach der Ursache gesucht. Zunächst habe ich da im trüben Licht der Dachbodenlampe nichts gefunden. Erst, als ich dann mit einer hellen Taschenlampe noch mal hoch bin, habe ich erkennen können, wo sich das Holz durch die Feuchtigkeit dunkel verfärbt hatte. Dann war es auch kein Kunststück mehr, die undichte Ritze im Dach zu finden.
Ja, manchmal reicht das schnelle Drüberschauen um Halbdunkel nichts. Da muss man das ganze mal im ehrlichen hellen Licht anschauen.
Beim Dach ist das nicht so schwer. Bei den dunklen, defekten, modrigen Stellen in mir selber – in meinem Denken, in meiner Seele – ist das schon schwieriger. Bei meinen eigenen Lieblings-Schwächen möchte ich gerne nicht so genau hinschauen, lieber keine Taschenlampe anschalten. Ich weiß ja, dass da was ist … aber so genau will ichs dann doch nicht wahrhaben. Dann moderts halt weiter! Besser wirds meistens nicht – eher schlechter – so ein innerer Dachschaden. Manchmal braucht man da ganz schön viel Mut, um mal genau mal bei sich selber nachzusehen, und zu schauen, dass man Dinge in Ordnung bringt, wo es schon länger nicht passt .
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 27. August 2016: Mut zum Guten

Guten Morgen,
Kennen Sie das? Da ist man übezeugt, das Richtige zu tun, und dann kommt jemand mit “ja, aber ….”, und listet dann alle mögliche Bedenken auf. Ich habe das Gefühl, es gibt heutzutage kaum noch eine gute Idee, bei der es nicht auch noch ein Argument dagegen gäbe!
Ja, natürlich ist unsere Welt heute so komplex, dass man sich oft schwer tut, zu wissen, was richtig und falsch, was gut und was böse ist. Das ist wirklich schlimm.
Aber noch schlimmer ist es, wenn man sich von einem diffusen Berg von Bedenken blockieren lässt, überhaupt noch etwas zu tun. Das wäre jammerschade, wenn Sie etwas Gutes tun wollen, und sich davon abhalten lassen von solchen “ja, aber hast du schon bedacht … es könnte ja”.
Von Luther habe ich gelernt: Wir sollen mutig das tun, was wir für gut erkannt haben. Wenn wir dabei auch etwas falsch machen, ist das keine Katastrophe – sondern sogar ziemlich normal – Denn wir können ja Menschen und Gott um Vergebung bitten.
Also hören Sie auf die innere Stimme, die sagt, was gut ist – und haben Sie den Mut, dann auch sich für das Gute zu entscheiden.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 20. August 2016: Kirchentrauma

Guten Morgen,
Da hat sich doch glatt ein Vogel in unsere Dorfkirche verirrt. Eine Woche lang flatterte er zwischen Orgel und Empore verzweifelt hin und her. Er fand einfach den Ausgang nicht mehr. Es war ein Elend. Erst am darauffolgenden Sonntagnachmittag hat er es dann doch geschafft und ist durch die Westtüre rausgesegelt.
Was Kirchen angeht, hat er jetzt wahrscheinlich ein lebenslanges Trauma und wird sich hier nie mehr blicken lassen.
So etwas passiert uns in der Kirche nicht nur mit Vögeln.
Es gibt auch Menschen, die eine negative Erfahrung mit Kirche machen und dann ein Leben lang alles Christliche meiden. Weil ein Pfarrer mit den falschen Worten jemanden verletzt hat, weil eine Beerdigung ganz anders war als gedacht, weil … ja weil Kirche einfach aus Menschen besteht, die Fehler machen.
Dem Vogel mit Kirchentrauma kann ich so etwas nicht erklären – aber bei den Menschen würde ich es mir schon wünschen:
Dass sie erkennen: “Kirche” mehr als dieses eine blöde Ereignis – Kirche das sind Menschen, dennen man die Chance geben sollte, es bein nächsten Mal besser zu machen.

Andacht zum 13. August 2016: Julia frühstückt

Guten Morgen!
Die kleine Julia ist eine tolle Frühstückstischdeckerin. Mit ihren knapp vier jahren hilft sie ihren Eltern mit enormer Begeisterung. Manchmal können die das Geschirr gar nicht so schnell aus dem Schrank holen, wie Julia die Sachen ins Esszimmer schleppt. Das macht ihr Spaß und sie ist stolz, dass sie ihren Eltern hilft.
Aber bevor sie mit dem Frühstücken beginnen, müssen die Eltern halt noch ein paar Fehler korrigieren: Papar hat zwei Löffel, dafür hat Mama 2 Messer, oder ähnliche kleine Probleme.
So ist das halt, wenn die kleine Tochter einem bei der Arbeit hilft.
Ich glaube, manchmal geht es Gott mit uns Menschen genauso: Wir engagieren uns und wollen die Welt voranbringen und verbessern; sind dabei auch ziemlich stolz auf alles, was wir so alles hinbekommen.
Und vielleicht schaut Gott uns zu, und sagt. Schön! Enorm, was ihr da so alles könnt und macht. Aber sorry: Aber so richtig verstanden habt ihre diese Welt noch nicht, und darum habt vieles übersehen, und so manches in meiner Schöpfung durcheinandergebracht.
Bleibt zu hoffen, dass Gott – so wie Julias Eltern am Frühtückstisch – das irgendwann dann wieder ins Lot bringt.
Einen guten Tag wünche ich Ihnen

Andacht zum 6. August 2016: Lieblingshemd

Guten Morgen,
manchmal ist meine Frau gnadenlos ehrlich. Da komme ich mit einem meiner Lieblingshemden zum  Frühstück, und ernte schon ein genervtes Stirnrunzeln: Was hat sie denn? Das eines meiner Lieblingshemden. Seit fast 15 Jahren liebe ich das.Ich hab mich so daran gewöhnt, auch an die abgewetzten Ellenbogen, das damals modische Muster und die Tatsache, dass es eigentlich nicht mehr so gut passt, weil ich inzwischen abgenommen habe. Ja ….meine Frau hat Recht: Eigentlich gehört mein Lieblings-Hemd längst ausrangiert.
Bei meinen Lieblings-Meinungen, meinen Lieblings-Themen und meinen Lieblings-Vorurteilen ist das manchmal nicht viel anders. Die hege ich in meinen Kopf auch ganz schön lange; die sind mir vertraut, die sind halt meine. Da sind es oft meine Töchter, die dran rütteln: “Hey, papa, wie bist den du drauf?” Dann merke ich, dass ich meine Meinungen, Themen und Urteile viel zu selten selbstkritisch überprüfe. Nachsehe, ob sie noch passen: Zu mir, zu meinem Glauben, zu dieser Welt, die sich ja auch ändert.
Und so bleibt mein Inventar in Bewegung: Mein Hemdensortiment genauso wie meine Sicht auf diese Welt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 30. Juli 2016: Tag der Freundschaft

Guten Morgen
Heute ist der internationale Tag der Freundschaft. Er erinnert mich daran, wie wertvoll echte Freunde sind. Meistens sind es nicht viele, die man wirklich als Freund oder Freundin bezeichnen kann.
Freunde, bei denen ich auch spät abends noch anrufen kann, und deren Ratschläge ehrlich, offen und verlässlich sind.
Freunde, wo ich einfach ich sein kann. Ganz ohne schöne Fassade, mit all meinen Schwächen und Ängsten.
Freunde, die es nicht scheuen mir aus der Patsche zu helfen, auch wenn es für sie selber mit Schwierigkeiten und Risiken verbunden ist.
Schon die Bibel schwärmt davon: Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer den findet, der findet einen großen Schatz.
Der heutige Tag der Freundschaft ist ja noch recht jung und unbekannt. Darum gibts da auch noch keine Vermarktungsmaschinerie mit Blumen, Schokolade und sonstwas.
Gerade deshalb kann man heute ganz einfach mal seinem Freund, seiner Freundin sagen: Hey, es ist schön, dass es dich gibt – dass du jemand bist, auf den ich mich immer verlassen kann. Danke!

Und Ihnen fällt bestimmt jemand ein, dem sie das heute sagen wollen.

Andacht zum 29. Juli 2016: Sommerferien

Guten Morgen,
Heute ist der letzte Schultag! Endlich beginnen die heißersehnten Ferien.
Die beste Zeit des Jahres – 6 Wochen ohne frühes Aufstehen. Endlich durchtamen – nicht durchhetzen von der einen Ex zur nächsten Schulaufgabe. Ein paar Wochen ohne Leistungsdruck, ohne schlechtes Gewissen, weil man eine Hausaufgabe vergessen hat …
Sowas bräuchte man eigentlich öfter – nicht nur als Schüler. Und nicht nur einmal im Jahr.
Manchmal ist der Sonntag für mich so eine Auszeit.
Wenn alles zu Erledigende schon am Samstag abgearbeitet ist. Und wenn der Sonntag nicht schon wieder vollgestopft ist.
Keine Anstregenden Besuche,
keine Events, die manchmal mehr Gwerch als Enspannung sind.
Einfach mal nichts.
Faul auf dem Sofa rumliegen – ohne schlechtes Gewissen.
Im Garten sitzen und das Unkraut Unkraut sein lassen.
“Du sollst den Feiertag heiligen” steht in den Zehn Geboten – vielleicht wäre “du sollst ihn nicht vollstopfen” eine ganz passende Übersetzung.
Dann wäre der Sonntag auch mal ein bisschen wie Sommer

Andacht zum 23. Juli 2016: Liebe braucht Mut!

Guten Morgen,
was ist das Gegenteil von Liebe? Manche sagen: Das ist der Hass. Andere meinen: Eigentlich ist die Gleichgültigkeit der größte Gegenpol zur Liebe.
In meiner Bibel habe ich eine Stelle gefunden, da schreibt Johannes, dass die Angst der größte Gegner der Liebe ist.
Manchmal hat man ja wirklich Angst davor zu seinen Gefühlen zu stehen. Drückt sie weg, weil sie so groß und manchmal auch übermächtig scheinen. Ganz groß ist auch die Angst vor den Folgen der Liebe: Will ich mich festlegen, auf diesen einen Menschen als Partner? Man weiß ja nie, wie er sich wirklich entwickelt.
Traue ich mich, andere Menschen liebevoll zu unterstützen, Zeit und Geld für Bedürftige zu investieren – oder schwebt da immer über mir die Angst ausgenutzt zu werden, irgendwann verspottet als dummer „Gutmensch“?
Liebe und Angst passen nicht zusammen lese ich in meiner Bibel. Da steht auch: Habe Mut andere zu lieben, denn schließlich hat Gott auch den Mut, dich zu lieben auch wenn er weiß, dass du auch nicht der allereinfachste Mensch bist.
Also: Haben Sie Mut zur Liebe!

Andacht zum 16. Juli 2016: Ändern oder Ärgern?

Guten Morgen.
Eigentlich wollte ich auf dem Smartphone einem Freund, der gerade einen Streit hat, schreiben: „Lass dich nicht ärgern!“. Aber weil das Ding ja angeblich mitdenkt, hat es mir sofort den Text korrigiert und plötzlich stand da: „Lass dich nicht ändern“ – und zack- war es schon abgeschickt.
Mist, jetzt muss ich es noch mal richtig schreiben….
Aber irgendwie ist da ja auch etwas Wahres dran: Lass dich nicht ändern – auch wenn ein Streit dich herausfordert. Lass dich nicht dazu hinreißen, dass du Dinge sagst oder tust, die gar nicht mehr zu dir passen. Lass es nicht dazu kommen, dass du dich in deiner Rage vergisst … dich und deine Nächstenliebe, dein Vertrauen in das Gute im Menschen.
Es wäre schade, wenn gerade die, die dich provozieren, es schaffen, dass du den Kontakt zu dir selber verlierst.
Jesus hat das zugespitzt formuliert: Liebe deine Feinde.  Ob ich das immer schaffe, das weiß ich nicht. Aber diese drei Worte erinnern mich daran, gerade beim Streiten kein andrer zu sein, als der Christ, der ich sonst bin.
Einen guten Tag wünsche ich ihnen.