Andacht zum 4. März 2017: Das Buch meiner Tage

Guten Morgen
Weiß Gott eigentlich schon vorher, was ich heute tun werde? Ist schon von Anfang an vorherbestimmt, was mir im Leben passiert und wann ich sterbe?
Es gibt Leute, die sind überzeugt, dass alles so kommen musste, wie es gekommen ist. Und in der Bibel lese ich auch, dass Gott mich schon im Bauch meiner Mutter gesehen hat und alle meine Tage in einem Buch niedergeschrieben seien.
Ist deshalb schon alles entschieden?
Bestimmt nicht, denn sonst würde nicht an der gleichen Stelle der Wunsch stehen, dass Gott uns hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Was in diesem Buch wohl drinsteht? Vielleicht sind es ja die Aufgaben, und Herausforderungen, die mir bestimmt sind, oder bestimmte Begegnungen, die mein Leben prägen sollen.
Ich weiß es nicht – aber es tut mir gut, zu vertrauen, dass sich Gott von Anfang an Gedanken über mein Leben gemacht hat. Dass ein Sinn hinter dem steht, was mir manchmal unverständlich und sinnlos erscheint.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 28. Februar 2017: Von den Narben erzählen

Guten Morgen
es gibt ja Menschen, die erzählen von ihren Narben wie andere von abenteuerlichen Urlaubreisen:
Hier ist mein Daumen in die Walze einer Maschine geraten. Fast wäre er ganz weg gewesen.
Sofort kommt die Antwort: Das ist ja gar nichts, Schau hier mein Schienbein: 10 Zentimeter! Die habe ich mir beim Holzhacken geholt. Bis auf den Knochen was das offen!
Ich wills gar nicht hören – denn von den anderen Narben erzählt nämlich keiner: Von den Narben auf der Seele, von den Verletzungen, die immer noch weh tun, von Sorgen, die dauerhaft das Herz einengen.
Damit kann man ja auch nicht angeben. Da kriegt man höchstens mitleidige Blicke. Also hält man lieber den Mund.
Schade eigentlich – ich würde es mir andersherum wünschen:
Ein bisschen Mitleid, wenn einer den Ärmel hochkrempelt um die Narben seiner Tatto-Entferung zu präsentieren.
Aber ganz viel Respekt für den, der sich traut von den schmerhaften Erfahrungen seiner Kindheit zu erzählen. Respekt, Mitfühlen und den Mut, auch mal die Stille auszuhalten, weil man als Zuhörer keine passenden Worte findet. Das wünsche ich mir, weil ich überzeugt bin, dass dieses Hinhören mit Mitfühlen auch beim Heilen solcher alten Wunden hilft.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 25. Februar 2017: Cowboy für einen Tag

Guten Morgen,
im Fasching war ich in meiner Kinderzeit meistens ein Indianer. Das hat meine Mama entschieden. Dabei wäre ich viel lieber ein Cowboy gewesen: Mutig, mit einer Pistole, der mit seinem Cowboyhut total cool durch den Festsaal beim Kinderfasching schlurft. Einer, der mal auf den Tisch haut, und seinen Willen durchsetzt. Das wär ich gerne mal gewesen – nicht so ein friedlicher weichgespülter Indianer.
Manche sagen ja: Faschingsverkleidungen spiegeln unsere unterdrückten Sehnsüchte wieder. Das, was wir uns im täglichen Leben nicht trauen, das kriecht dann im Fasching an die Oberfläche.
Aber ist das nicht eigentlich blöd? Warum wage ich es nicht im echten Leben, einmal diese unterdrückte Rolle auzuleben? Mal ein bisschen mehr starker Cowboy? Ein bisschen mehr versträumte Prinzessin, oder irrational handelner Clown.
Man kanns ja mal versuchen. Nachher ist man jedenfalls schlauer. Ich für meinen Teil habe gelernt: Als großspuriger Cowboy fühle ich mich wie ein Idiot. Ich bin doch ein Indianer – das hat meine Mama damals schon richtig erkannt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 18. Februar 2017: Blind!

Guten Morgen,
zielstrebig geht er mitten durch das größte Gewusel im U-Bahn Verteiler am Hauptbahnhof. Ich gehe hinter ihm her, er umkurvt eine Gruppe von Jugendlichen, die da herumsteht und weicht der langam fahrenden Bodenreinigungsmaschine aus. Wenn er nicht den weißen Stock in der Hand, hätte, wäre ich nie darauf gekommen, dass er blind ist. Und selbst diesen Stock scheint er kaum zu benötigen: Er hört genau hin, ortet Gespräche, erlauscht Motorengeräusche und achtet auf den Hall seiner Schritte, weil er dadurch Hindernisse erkennt.
Nur nur den Deppen, der von halb-rechts in ihn reindonnert, weil er auf sein Smartphone glotzt, den hatte er nicht auf dem Radar.
Ein Blinder, der eigentlich sieht und ein Sehender, der eigentlich blind ist, prallen hier buchstäblich aufeinander.
Den einen habe ich an diesem Vormittag bewundert – wie er mit seinen verbleibenden Sinnen hellwach seine Umwelt wahrnimmt.
Und den anderen? Den Smartphone-Kasper? Den hätte ich ja gerne verflucht und beschimpft … wenn ich nicht gespürt hätte, das ich selbst auch viel zu oft blind bin, für das alles, was um mich herum geschieht.
Darum halten Sie heute Ihre Augen offen!

Andacht zum 14. Februar 2017: Glaube – Liebe – Hoffnung

Glaube, Hoffnung, Liebe, seit Jahrhunderten fasst man damit zusammen, was den christlichen Glauben ausmacht. Seit meiner Kindheit kenne ich die Begriffe – und fand sie ehrlich gesagt alles andere als spannend. Glaube, Hoffnung, Liebe lagen wie ererbte Porzellanskulpturen im Regal meines Denkens. Die waren schon immer da, wertvoll, aber auch irgendwie logisch und selbstverständlich und deshalb kaum der Rede wert.
Seit einiger Zeit sehe ich das anders. Weil ich das Gefühl habe, dass mir da jemand diese drei Schätze klammheimlich stehlen und gegen andere Werte austauschen will.
Da will jemand Angst vor der Zukunft machen, statt Hoffnung stiften. Da versucht jemand, Hass zu säen statt Liebe und Versöhnung zu leben. Da will jemand Zweifel statt Glaube und Vertrauen.
Da spiele ich nicht mit! Glaube, Liebe Hoffnung – Diese drei haben Zukunft! Die lasse ich mir nicht nehmen! Die stehen nicht ohne Grund in der Bibel.
Und plötzlich sind die gar nicht mehr langweilig und erst recht nicht selbstverständlich – und ich ich bin bereit, mich dafür einzusetzen: Zu kämpfen, für Glaube, Liebe, Hoffnung.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 10. Februar 2017: Tag der Kinderhospizarbeit

Guten Morgen,
heute ist der bundesweite Tag der Kinderhospiz-Arbeit. Eine Arbeit, die hauptsächlich von Ehrenamtlichen getragen wird. Menschen, die für andere da sind, wenn das Schlimmste passiert, was sich Eltern vorstellen können: Dass das eigene Kind unheilbar krank ist, und man weiß: Es wird nur noch begrenzte Zeit leben können.
Da braucht es dann nämlich nicht nur ausgezeichnete Ärzte. Dann werden Menschen benötigt, die Zeit haben: Zum Spielen mit den Kindern, zum Zuhören, für Besorgungen um den Eltern den Rücken freizuhalten. Aber auch Leute, die den Papierkrieg mit den Krankenkassen und Behörden bewältigen, und Menschen, die in den Wochen nach dem Tod des Kindes die Eltern nicht alleine lassen.
Es ist ein Geschenk das Himmels, dass es diese Menschen gibt, die ihre Freizeit dafür nutzen. Die da ihre Energie einsetzen, manche Träne vergießen; aber auch spüren, welche Kraft darin steckt, wenn man Menschen auf diesem Weg begleitet.
All denen sage ich heute von Herzen: Dankeschön

Andacht zum 4. Februar 2017: Wasser zu Wein

Guten Morgen,
eine der schönsten Wundererzählungen der Bibel ist für mich die Hochzeit in Kana, wo Jesus Wasser zu Wein verwandelt.
Nicht so sehr, weil es um Party und Spaß geht, sondern weil es so ein herrlich unauffälliges Wunder ist. Jesus bittet darum, dass man die Wasserkrüge auffüllt … und siehe da, es ist Wein daraus geworden. Ohne großes Drama und Tamtam, einfach so. Jesus wollte, dass ihnen der Wein nicht ausgeht, auch wenn die Leute ohne Wein genauso überlebt hätten.
Ich glaube, bei mir gibt’s manchmal auch so unauffällige Wunder.
Dass Dinge besser laufen, als gedacht. Dass etwas nicht schief geht, obwohl es zu befürchten war. Ja, dass aus dem mittelmäßigen Wasser meiner Ideen und Projekte dann doch köstlicher Wein geworden ist, auf den ich irgendwie stolz war.
Da sage ich dann einfach leise– Danke! Dass Gott da anscheinend öfter die Finger im Spiel hat. Unauffällig, leise, aber effektiv.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen