Andacht zum 29. Juli 2017. Als Küken Gottes

Guten Morgen
Haben Sie schon mal in einem Hühnerstall beobachtet, wie die ganz jungen gelben Küken auf ihren kurzen Beinchen zur Henne hintrippeln und unter deren Flügel schlupfen? Wie sie dann aufgeregt piepsen, dicht aneinander gekuschelt unter den Flügeln der Henne.
Das hat in unserer modernen Landwirtschaft, wo die Eier im Automaten ausgebrütet werden, Seltenheitswert. Aber wer das mal gesehen hat, den lässt dieses Bild der geborgenen Küken so schnell nicht mehr los.
Da ist es wohl kein Zufall, dass in der Bibel Gott auch einmal als Henne beschrieben wird, die ihre Küken unter ihren schützenden Flügeln versammelt.
Ehrlich gesagt, fühle ich mich nicht unbedingt als Küken Gottes. Da bin ich vielleicht doch ein bisschen zu alt. Aber Gott als Henne, unter dessen Flügel ich mich geborgen fühlen kann, das gefällt mir! Wenn es mir mal nicht so gut geht, zu beten: „Lieber Gott breite deine Flügel über mir, ich muss ein bisschen bei dir kuscheln – weil die Welt mir gerade Angst macht“ – Dann bin ich vielleicht doch ein bisschen ein Küken Gottes.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 22. Juli 2017: Wohnung Gottes

Guten Morgen
Wenn wir von unseren Kirchen reden, sagen wir auch gerne: Gotteshaus oder Wohnung Gottes. Obwohl wir ja ahnen, dass sich dieser unsichtbare Gott nicht so einfach auf ein bestimmtes Gebäude festlegen lässt.
Und das ist eigentlich schon immer so gewesen. Den ersten Tempel, der in der Bibel beschrieben wird, hatte König Salomo gebaut. Und schon bei der Einweihung dieses Gotteshauses fragte sich der König nachdenklich: „Wie soll dieses Gebäude Gott fassen, wenn er größer ist, als diese ganze Welt?“
Na toll! Wozu dann überhaupt der ganze Aufwand, die Kosten und Mühen für so ein prächtiges Gotteshaus?
Ganz einfach: Weil wir manchmal einen Ort brauchen, an dem wir uns in besonderer Weise mit Gott verbunden fühlen. Einen Raum, der angefüllt ist mit der Atmosphäre des Glaubens. Ein Gebäude, das mich verbindet mit den Anderen, die den gleichen Glauben haben. Wo Menschen ihren Gott gelobt, ihm gedankt oder ihr Leid geklagt haben – durch die Jahrhunderte hindurch.
Dann wohnt Gott für mich doch irgendwie in diesem Haus – weil ich ihn da ganz besonders intensiv spüre.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 15. Juli 2017: Inneres Navigationssystem

Guten Morgen
Am Wochenende hatten viele Leute im Hamburg Probleme mit ihrem Navigationssystem im Auto. Denn wegen des G20-Gipfels wurde das GPS-Signal dort durch Sicherheitsbehörden gestört. Plötzlich mussten sich die Leute wieder auf ihr natürliches Orientierungsvermögen verlassen, und auf einen Stadtplan.
Und das ist gar nicht so einfach, wenn man es inzwischen gar nicht mehr gewohnt ist, selbsständig zu überlegen, welcher Weg jetzt der richtige ist.
Ich habe das Gefühl, dass wir es auch im übertragenen Sinn immer mehr verlernen, uns selbstständig für den richtigen Weg zu entscheiden.
Weil es ja so viele Regeln und Ratgeber gibt. So vieles wird uns als „richtig“ und „notwendig“ nahegelegt. So oft heißt es: „das machen alle so“, also muss es richtig sein.
Da wünsche ich mir, öfter das alles hinter mir zu lassen, und meinen Weg zu gehen. Das zu tun, was mir mein Gewissen und mein Glaube sagt. Nicht, weil ichs unbedingt besser weiß, aber weil ich es nicht verlernen will, selbstständig durchs Leben zu navigieren.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 8. Juli 2017: Gönnen können

„Egal ob die Leute groß oder klein sind: Die Zahnschmerzen sind immer die gleichen!“ Vor einer Woche habe ich dieses Sprichwort zum ersten Mal gehört und es hat mir auf Anhieb gefallen.
Es macht mir wieder mal bewusst: Die, die ein bisschen reicher, schöner, beachteter oder auch nur ein paar Zentimeter größer sind als ich – die haben deshalb nicht automatisch ein besseres Leben.
Nicht bloß die Zahnschmerzen sind bei denen die gleichen – wahrscheinlich ist „verliebt sein“ bei denen auch nicht toller als bei mir.
Es gibt also gar nicht so viele Gründe, auf die Anderen neidisch zu sein.
Eher umgekehrt: Es gibt ganz viele Gründe, nicht neidisch zu sein. Schon allein deshalb, weil Neid im Leben so viel zerstören kann. „Du sollst nicht begehren, was deinem Nächsten gehört: Weder sein Haus, noch seine Frau“ – das steht schon in den Zehn Geboten. Also: Gönnen Sie!
Gönnen sie dem Anderen, sein Glück – und gönnen Sie sich selbst einen Tag ohne Neidgefühle!

Andacht zum 1. Juni 2017: Albert Schweitzer

Heute am 1. Juni ist der Albert-Schweitzer- Gedenktag. Der Arzt und Theologe war berühmt für für sein Engagement in Afrika, wo er sein bekanntes Krankenhaus gegründet hatte. Zugleich war er ein einflussreicher Denker seiner Zeit.
Er nutzte seine Berühmtheit geschickt aus. Nicht nur um Geld für seine Arbeit in Afrika einzusammeln; er schaffte es auch, bestimmte, eigentlich altbekannte Themen wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
So wurde Jesu Gebot der Nächstenliebe durch Albert Schweitzer auch für kirchenferne Leute interessant. Anzuerkennen, dass der Andere nicht weniger leben möchte, als ich auch. „Ehrfurcht vor dem Leben“ – das war sein Schlagwort.– Wenn ich mich heute dabei ertappe, wie ich bei der einer Meldung über ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmer eher teilnahmslos mit den Schultern zucke – dann sehe ich: Die Forderung nach einer Nächstenliebe, die sich nicht von Landes- oder Rassengrenzen aufhalten lässt, ist immer noch brandaktuell.
So diagnostizierte Schweitzer einmal: „Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir (eigentlich) sind“
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 24. Juni 2017. Die Antwort ist 42

Im Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ wird von einem Supercomputer erzählt, der nach Millionen Jahren von Rechenzeit die letztgültige Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest einfach mit „42“ beantwortet hat.
Toll, wenn man so eine übersichtliche Antwort hat. 42! Einfache Antworten haben ja momentan Konjunktur. Das Blöde: Sie helfen auch überhaupt nicht weiter!
In der Geschichte mit der 42 gibt der Supercomputer den enttäuschten Programmierern dann noch einen Tipp: „wahrscheinlich liegt das Problem daran, dass ihr nicht genau wusstet, was eure eigentliche Frage war“.
Da ertappe ich mich tatsächlich auch selbst immer wieder: Dass ich zu bequem bin, mir zu überlegen, was ich wirklich will.
Für welche Werte will ich eintreten?
Welche Rolle soll mein Glaube im Leben spielen?
Was ist mir wirklich wichtig?
Wie stelle ich mir eigentlich Gott vor?
Selber nachdenken – das ist echt nicht einfach. Aber wozu hat uns Gott sonst ein Gehirn gegeben? Jedenfalls nicht, um irgendwelchen Positionen oder Parolen zuzustimmen, nur weil sie einfach gut klingen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 17. Juni 1017: Der verstaubte Kindheitstraum

Haben sie auch so einen? So ganz alt und verstaubt … im Hinterkopf eingelagert? So einen großen Kindheitstraum?
Manchmal muss man da ganz schön in der Erinnerung herumkramen, um ihn wieder zu entdecken. Oft genug wurden diese großen Phantasien ja schon am Ende der Schulzeit von der Realität eingeholt, und dann irgendwie weggräumt und vergessen.
Ein paar Jahrzehnte später ist das durchaus reizvoll, mal wieder draufzuschauen, auf diesen verstaubten Kindheitstraum. Um ihn herumzuschleichen, seinen Reiz und seine Schönheit bewundern.
Und dann zu überlegen: Möchte ich mein jetziges Leben gegen diesen Traum eintauschen?
Für mich gibt es da nichts Schöneres als dann sagen zu können: Nein, mein Leben ist gut so, – trotz mancher Schwierigkeiten – der Traum wäre wohl auch nicht besser gewesen.
Also lasse ich ihn weiter in meinem Hinterkopf liegen, wer weiß, wann ich ihm mal wieder herauskramen muss, um mich zu erinnern: Das Leben, wie es ist, ist doch gar nicht so schlecht.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 10. Juni 2017: Spätzünder

Tim hat es im Kindergarten nicht leicht. Immer wieder ist er langsamer und später dran als der Rest der Gruppe. Da wo Julius-Maximilian schon fehlerfrei auf Englisch bis zwanzig zählen kann, hat Tim immer noch Schwierigkeiten, eine Blume in den richtigen Farben auszumalen.
Tim, das Träumerle. Ein klassischer Spätzünder. Solche gabs schon immer.
Und ich liebe es, wenn so ein ehemaliger Spätzünder später als Erwachsener auch mal den Mut hat, davon zu erzählen, dass er als Kind eine Zeitlang immer der war, der als letzter irgendwas hinbekommen hat. Bis der Moment kam, dass auch bei ihm der Knoten geplatzt ist – einfach so! Und innerhalb kürzester Zeit, haben sich all die wunderbaren Begabungen und Talente gezeigt, die ihm sein Herrgott geschenkt hat. Und jetzt, wo er zufrieden auf sein Lebenswerk schaut, fragt niemend mehr nach seinem Rückstand in der Grundschule.
Da hätten sich die Eltern die ganzen sorgenvollen Gedanken sparen können. Einfach darauf vertrauen, dass Gutes manchmal etwas länger braucht, bis es gereift ist und zum Vorschein kommt.
Was uns da manchmal fehlt, ist Vertrauen in unsere Kinder – und Vertrauen in den Schöpfer, der jeden einzigartig macht – Mit individuellen Talenten und individuellem Tempo.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 3. Juni 2017: Pfingsten

Guten Morgen,
wir haben das Pfingstwochenende. Was macht man da eigentlich? Also, an Ostern versteckt man Osternestchen, an Weihnachten liegen Geschenke untem Baum – aber an Pfingsten?
Ganz einfach: Da trifft sich Kirche!
Allein hier in Franken gibt’s einige große Kirchenevents: Auf dem Hesselberg kommen etwa Zentausend Evangelische zu einem großen Gottesdienst mit Begleitprogramm zusammen. In Puschendorf bei Fürth treffen sich junge Leute für drei Tage in einer Konferenzhalle. Und im Frankenwald in Bobengrün kommen auf Einladung des CVJM Christen aus ganz Deutschland mitten im Wald an einer großen Lichtung zusammen, um zu singen, zu beten und verschiedenen Vorträgen zu lauschen.
Das ist Pfingsten –wir feiern den Geburtstag der Kirche: Nicht als Organisation, sondern als Gemeinschaft von Menschen denen ihr Glaube wichtig ist. Die sich untereinander austauschen mit Ihren Gedanken, ihren Fragen, ihren Zweifeln und ihren Hoffnungen.
So soll sie sein – Kirche als lebendige Gemeinschaft – nicht nur am Pfingstwochenende.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 27. Mai 2017: Das Z klemmt

Guten Morgen,
an meinem Laptop klemmt neuerdings der Buchstabe Z. Mal geht die Taste, mal geht sie nicht.
Na gut, ich habe ja noch die anderen 85 Tasten. Und überhaupt: Das Z ist ein Buchstabe, der gar nicht so oft auftaucht. Das E wird 15 mal öfter gebraucht. Genauer gesagt: Nur 1% der Buchstaben in einem Text ist ein Z. Auf dieses eine Prozent kann man ja auch pfeifen!
Nein! Kann ich eben nicht! Denn jetzt stehen in meinen Texten neuerdings so Worte wie Verögerung, Anahlung und prinipiell.Ohne dieses eine Prozent Z ist alles nichts! Ohne das eine Prozent Z kann ich meinen Brief niemanden schicken. Die würden sagen, das hat ein schlechter Grundschüler getippt.
Da erkenne ich, dass mir Zahlen und Statistiken oft nichts über die wirkliche Welt sagen. Weil da jeder kleine Buchstabe zählt. Jedes kleine Kind ist wichtig. Jeder der scheinbar am Rand unserer Gesellschaft steht, gehört dazu.
Diejenigen in unserer Welt, die das kleine Prozent bilden… die sind ein fester Teil des großen Ganzen … die können wir nicht ignorieren oder abschreiben – sonst wären wir nicht mehr die, die wir eigentlich sind.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen