Andacht zum 6. Mai 2017: Anti-Diät-Tag

Guten Morgen,
heute am 6. Mai ist der Internationale „Anti-Diät-Tag”. Gegründet wurde er von Mary Evans Young, nachdem sie ihre Magersucht überwunden hatte.
Sie kämpft mit diesem Tag nicht nur gegen den Schlanheitswahn.
Sie wirbt vor allem für etwas: Dass wir die Schönheit der Menschen mit all ihren vielfältigen natürlichen Größen- und Gewichtsunterschieden entdecken.
Es ist schön, dass du genau die Körperform hast, in der du herumläufst.
Du, mit all deinen üppigen Rundungen, du bist ein schöner Mensch, der das Leben genießen kann.
Und bei dir, dünner Hering, hat Gott es gut gefunden, dass du dir beim Treppensteigen leichter tust.
Es ist schön, dass der eine ein bisschen größer ist – und der andere ein bisschen breiter ist.
In einen Psalm der Bibel hat jemand geschrieben: „Gott, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich!”
Diesen Satz müsste man jedem Menschen mit in die Wiege legen und über den Spiegel schreiben..
Gott hat dich einzigartig gemacht – und dazu gehören auch deine Körperformen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Andacht zum 1. Mai 2017: Tag der Arbeit

Guten Morgen,
wir haben heute den Tag der Arbeit. Und das schöne daran: Die meisten müssen heute nicht arbeiten. Für uns Pfarrer ist das sogar einer der wenigen Feiertage, an denen wir auch frei haben – denn der erste Mai ist ja kein klassischer kirchlicher Feiertag.
Ich mach heute mal nix. Und ich werde das auch mal genießen!
Aber ich ahne es schon: So richtig lang halte ich das „nichts machen“ nicht aus. Irgendwie fällt mir dann schon etwas ein, was ich noch machen könnte, und wenn es der Wasserwechsel am Aquarium ist.
Luther hat einmal gesagt: Die Arbeit gehört zum Menschen wie zum Vogel das Fliegen!
Etwas tun, was sinnvoll scheint.
Erleben, dass etwas durch mich entsteht oder sich verändert.
Und machmal darunter leiden, dass die ganze Arbeit und Mühe grade aus irgend einem Grund für die Katz war.
Das ist Arbeit – egal, ob man dafür bezahlt wird oder nicht.
Ich glaube darauf sind wir programmiert – eben, wie der Vogel zum fliegen gemacht ist.
So ist es heute für mich ein Tag, an dem man dankbar sein kann, wenn man etwas zu tun hat, was man gerne macht.
Einen guten ersten Mai wünsche ich Ihnen

Andacht zum 29. April 2017: Die Ruhe des Rotweins

Ich bin zum Abendessen eingeladen und bringe einem Freund, einem Weinliebhaber, als Gastgeschenk natürlich eine richtig gute Flasche Rotwein mit. Was hab ich gebraucht, bis ich da was passendes gefunden habe.
Er freut sich riesig, aber aufmachen und jetzt gleich trinken … daraus wird nichts. Mein Gastgeber erklärt: „Der Wein muss jetzt erst mal einige Tage wieder ruhig liegen … der braucht nach dem Transport jetzt erst mal Ruhe. Nur so kommen seine Aromen wieder ins Gleichgewicht.
So ein Wein hats gut, den stresst keiner ! Und wenns mal ein bischen gerumpelt hat, dann kommt gleich der Fachmann und sagt: „Gemach gemach … der braucht jetzt erstmal ein bischen Ruhe.“ – Ich bin da glatt neidisch geworden.
Warum gönne ich mir das nicht selbst öfter? Nach den Trubel des Tages: abschalten … den Fernseher ausmachen…ein Buch lesen …den Tag bedenken…oder auch mal gar nichts tun. Wie so ein Rotwein: Einfach Stille erleben und wieder ins Gleichgewicht kommen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 22. April 2017: Apfel-Himbeer-Schorle

Haben sie schon mal Apfel-Himbeer-Schorle probiert?
Was man so alles zu einer Schorle zusammengießen kann… man glaubt es kaum.
Apfel und Himbeere: Irgendwie scheinen die ja grundverschieden zu sein:
Der knackige, säuerliche Apfel auf der einen Seite, und diese weiche, empfindliche Himbeere mit dem prägnaten wuchtigen Fruchtgeschmack.
Dass das zusammenpasst? Ich hätts nicht geglaubt. Aber manches muss man wirklich erst ausprobieren.
Bei Menschen habe ich das auch schon erlebt. Da kommt ein Unternehmer selbstbewusst und knackig, mit Biss und Energie wie der Apfel.
Und auf dem zweiten Blick merke ich: Der hat auch so eine Himbeer-Seite! Sensibel und empfindsam. Gar nicht so oberfächlich am Erfolg orientiert, wie ich es vermutet hätte. Und je länger das Gespräch dauert, umso mehr spüre ich, der ist auch noch richtig fromm, vertraut seinem Gott mehr als sich selbst. Eine beeindruckende Mischung!
In freue mich immer wieder, wenn ich sie entdecke, diese menschliche Apfel-Himbeer-Schorle: Leute mit gesunden Selbstbewusstsein und einen festen Gottvertrauen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 18. April 2017: Wölfe und Schafe

Wölfe im Schafspelz. So beschreibt Jesus einen besonders unerfreulichen Menschenschlag. Leute, die nach nach außen hin süß, gefällig und harmlos wirken, aber wenn du dich auf sie einlässt, dann gibt es nachher das böse Erwachen. Dann merkst du, denen ging es nicht um dich, sondern nur um den eigenen Vorteil.
Schon Jesus konnte die nicht leiden und hat eindringlich vor ihnen gewarnt.
Wölfe im Schafspelz – manchmal muss ich zweimal hinschauen, wenn jemand mir besonders zuckersüß entgegenkommt. Nicht jeder meint es gut mit mir.
Ja, vorsichtig sein, das muss man.
Aber ich weiß, dass ganz viele Menschen Schafe im Schafspelz sind: Die wirken nicht nur so – sondern sie sind es wirklich: Leute auf die ich mich absolut verlassen kann, die für mich einstehen und mir nicht in den Rücken fallen.
Danke, ihr Schafe, dass es euch gibt. Unsere Welt braucht euch! Und lasst euch von den Wölfen im Schafspelz nicht beirren: Ihr seid die Guten! Und: Auch wenn es macnhmal nicht danach aussieht: Eure Herde ist viel größer und viel stärker als das Rudel der Wölfe!
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 15. April 2017: Höhlensonne

Wissen Sie, was eine Höhlen-Sonne ist?
Meine Eltern hatten sowas daheim, in den 70er Jahren war das. So eine Art Mini-Solarium. Das Gerät strahlte gleißend helles Licht mit viel UV-Strahlen aus. Machte die Haut schön braun, half bei Akne. Naja, über Stahlenschäden und Hautkrebs machte man sich da noch keine Gedanken.
Eigentlich hieß es Höhen-Sonne, in Anlehnung an die hohe UV-Strahlung im Hochgebirge. Aber durch irgendeinen Hör-Fehler war das für mich als Kind die Höhlen-Sonne geworden. Und das erschien mir auch völlig logisch. Denn die Menschen, die in den Höhlen wohnen, da wo es dunkel ist, die brauchen ja ein Licht; und dazu ist die Höhlen-Sonne da.
Eine Höhlen-Sonne bräuchte man eigentlich öfter mal, wenn man in der düstere Höhle der eigenen Krisen sitzt.
Manche haben erlebt, dass ihr christlicher Glaube so eine Höhlen-Sonne war. Ein Gedanke, ein Gebet, eine Hoffnung, die es mitten in der düsteren Krise wieder hell werden lässt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 11. April 2017: 12 Meter Wasser

12 Meter Wasser! Ja, wenn ich in meinem Getränkeshop einkaufe, laufe ich gleich am Anfang an 12 Metern Wasser vorbei: Das Stille Wasser neben dem Spritzigen aus Neustadt an der Aisch, die Noblen aus Frankreich, daneben auch ein paar günstige in Plastikflaschen aus Italien, dann die Heilwässer aus allen möglichen Kur-Städten – Wasser ohne Ende.
Was soll ich nehmen? Es ist zum verzweifeln.
Woanders auf unserem Planeten gibt es Menschen, die verzweifeln, weil sie kaum an sauberes Trinkwasser kommen. Manche müssen sie kilometerweit laufen, um an einem Brunnen eine bräunlich-trübe Brühe zu schöpfen.
Und bei mir stehts meterweise schön verpackt im Regal und rinnt scheinbar unerschöpflich aus der Leitung. Das Schlimme dabei: Wenn ich hier bei uns Wasser spare, wird es dort nicht automatisch mehr.
Sparen hilft da nicht! Großzügigkeit gefragt: Menschen, die großzügig entsprechende Projekte unterstützen. Und Wachsamkeit, damit das lebenwichtige Wasser nicht zum Spekulationsobjekt der Großkonzerne wird.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 8. April 2017: Konfirmation

In den kommenden Wochen feiern wieder viele tausend evangelische Jugendliche ihre Konfirmation. Bei meiner eigenen Tochter ist es morgen am Palmsonntag auch so weit.
In der Feier verspricht sie dann zusammen mit den andren: “Ja, ich will im christlichen Glauben bleiben und mich darin weiterentwicklen”. Wir Eltern sind gerührt, aber so mancher Gottesdienstbesucher runzelt die Stirn und fragt sich, wie oft wir die Jungs und Mädchen tatsächlich noch bei uns im Gottesdienst sehen werden ….
Es ist wirklich anspruchsvolles Versprechen, das wir den jungen Leuten zumuten. Eine Entscheidung fürs Leben.
Jeder Erwachsene kann selbst überlegen, inwieweit er dem eigenen Konfirmationsversprechen gerecht geworden ist. Und wir wissen: Das Leben ist viel komplexer, als man sich das mit 14 Jahren vorgestellt hatte.
Wie gut, dass die Konfirmation nicht nur aus diesem Versprechen besteht, sondern auch aus dem feierlichen Segen für die Konfirmanden. Der ist die Zusage Gottes, bei ihnen zu bleiben und ihnen die Kraft zu geben, das Richtige zu tun.
Wie gut, dass wir Christen mit unserem Konfirmationsversprechen nicht auf uns alleine gestellt sind, sondern Gott an unserer Seite haben!

Andacht zum 1. April 2017: Kirchenknigge – Zusammenrutschen

Guten Morgen,
in der vergangenen Woche gings jeden früh um eine andere Frage, was man in der Kirche machen oder auch nicht machen soll. Heute schau ich mal auf die Sitzordnung. Viele Franken fragen ungern, ob da neben jemandem noch Platz ist. Also setzen sie sich in der Kirche dann lieber in eine Bank, wo noch gar keiner sitzt – und so verteilen sich die Gottesdienstbesucher großflächig in der ganzen Kirche.
Ja, so kann man´s machen. Aber es ist nirgends verboten, dass man sich nebeneinander setzt. Kürzlich habe ich in einer kleinen Dorfkirche erlebt, was ich nicht für möglich gehalten hätte: Die 40 Besucher saßen ganz dicht beieinander; von oben sah das aus, wie eine quadratische Herde von Schafen, die sich da zusammenkuschelten. So viel Nähe war da zu spüren, keine kühle Anonymität. Da feiert man dann tatsächlich „miteinander“ Gottesdienst.
Da sieht man, dass der Glaube verbindet – auch wenn die Menschen selbst ganz unterschiedlich sind.
Ja, ein bisschen zusammenrutschen in der Kirche ist erlaubt; mann muss ja nicht gleich auf Tuchfühlung gehen. Aber ein bisschen mehr Nähe, ein freundlicher Gruß und ein Lächeln sind bestimmt keine schlechte Idee. Denn kühl ist es in unseren Kirche oft genug.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Anfacht zum 25. März 2017: Kirchenknigge – Hallo Herr Pfarrer

Guten Morgen,
in meiner Reihe über Benimmregeln rund um die Kirche geht’s heute um die Pfarrer – und zwar, wenn die mal im Urlaub sind; also inkognito unterwegs. Manche trauen sich ja gar nicht zu sagen, dass sie Pfarrer sind, weil sie wissen, wie Leute dann oft reagieren.
Erstens: Ach, hätte ich nie gedacht, sie wirken so … normal.
Zweiten: Wenn sie schon Pfarrer sind, ich hätte da mal eine Frage …Ja und dann kommen Themen: Entweder die Kreuzzüge, der Papst, oder der unfähige Pfarrer, mit dem man sich grade daheim rumärgert.
Dabei steht im Kirchen-Knigge auf Seite 5: Wenn dir im Urlaub eine Pfarrerin oder ein Pfarrer über den Weg läuft: Sei sicher: Sie sind zu jung, um persönlich für 2000 Jahre Kirchengeschichte verantwortlich zu sein. Aber sie sind alt genug um mir dir vernünftig über alle Fragen des Menschseins und des Christseins zu reden.
Denn die meisten Pfarrer verstehen sich nicht als Funktionäre der Institution Kirche, sondern als Menschen, denen ihr Glaube sehr wichtig ist, und die einen Beruf gewählt haben, der damit eben viel zu tun hat.
Und genau so darf man auch mit ihnen umgehen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen