Ein unmoralisches Angebot – Andacht zum 5. Dezember 2020

Oliver hatte eigentlich alles, was er brauchte, aber auch nicht viel mehr: Durchschnittlicher Job, die Raten für den Kredit seines Häuschens erlaubten im Alltag keine großen Sprünge. Es war halt so ein fränkisches “passt-scho”-Leben, ohne Glamour. Manchmal hätte er sich schon ein bisschen “mehr” gewünscht.

Bis ihm ein ehemaliger Schulfreund, ihm das Angebot machte, in sein Unternehmen einzusteigen. Er suchte Leute, auf die er sich verlassen konnte, und die in Gesprächen zu überzeugen wussten. Vor allem war es wichtig, den Kunden immer ein bisschen mehr zu versprechen, als im Vertrag eigentlich wirklich stand. “Gier frisst Hirn, die Menschen wollen verarscht werden”, sagte der Freund, “rechtlich ist alles sicher, dir kann keiner was! Und mit den Provisionen hast du dein Haus in drei Jahren abbezahlt.”   

Oliver hatte ein paar unruhige Nächte. – Bis ihm sein Konfirmationsspruch eingefallen ist, der ihm bis dahin nie etwas bedeutet hatte. Da hieß es: “Was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und doch Schaden zu nehmen an seiner Seele?”

Drei Tage später hat Oliver abgesagt. Seiner Frau hat er nie etwas davon erzählt. Aber ihr ist aufgefallen, dass er von diesen Tagen an mehr Zufriedenheit ausstrahlte als zuvor.

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