Andacht zum 18. November 2017: Laubbläser

Guten Morgen
bilde ich es mir nur ein, oder gibt es tatsächlich immer mehr Menschen, die im Garten oder vor dem Haus mit einem Laubbläser herumhantieren?
Also ich weiß nicht, ob das wirklich einen Vorteil bringt – also im Vergleich zum klassischen Laubrechen. Denn mit dem Laubbläser spielt man Wind …. aber die natur kann das mit dem Wind viel besser, denn der pustet mit der Kraft und Ausdauer von hundert Laubbläsern immer wieder neue Blätter in meinen Garten und vor mein Haus.
Es ist manchmal schon zum Verrücktwerden, wenn man sich scheinbar vergeblich abmüht.
Das ist ja nicht nur im Garten so.Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich als Mensch so ein paar schlechte Angewohnheiten habe, die genauso sind, wie das Laub. Ich kämpfe dagegen – habe irgendwann den Eindruck: Ja, geschafft, jetzt bist du ein besserer Mensch … und kurze Zeit später sieht es genauso aus wie vorher.
Wie gut, dass ich einen Glauben und einen Garten habe.
Der Glaube hat mir beigebracht: Gott liebt mich. Trotz meiner Schwächen.
Und der Garten hat mich gelehrt: Wenn ich nur oft genug scheinbar vergeblich das Laub wegräume, irgendwann ist es dann doch geschafft – spätestens beim ersten Schnee.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 11. November 2017: Bücher versperren den Weg

Guten Morgen,
in der Nähe von Venedig habe ich im Sommer die alte Festung „Forte Treporti“ besucht. Sie war einst gebaut worden, um Angreifer der Lagune von Venedig vom Osten her zu beschießen.
Sie steht noch immer, inzwischen als Denkmal. Das Besondere: Das alte Zentralgebäude kann man nicht betreten. Alle Türen und Fenster sind sorgfältig mit Büchern zugeschlichtet. Wie große Regale wirken diese ehemaligen Zugänge.
Bücher, die den Weg in die kriegerische Zentrale versperren. Auch Bibeln sind dabei. Ein wunderbares Bild.
Bücher als Bollwerk gegen militärische Gewalt.
Bibeln, die Widerstand leisten gegen blindes Vergelten.
Gedichte, die Menschen auf dem Weg an die Waffe umkehren lassen.
Vielleicht sollten wir öfter gute Worte lesen, gerne auch welche aus der Bibel. Und dadurch spüren, welche Wege gut sind, und bei welchen genau diese Worte mir sagen, es ist besser, wieder umzukehren.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 4. November 2017 – Koalitionsfragen

Guten Morgen,
in Berlin, die Koalitions-Verhandlungen, die sind ja sogar dann noch spannend, wenn man sich gar nicht für Politik interessiert.
Unglaublich wie da gekämpft wird. Man sucht nach den Gemeinsamkeiten und muss auch so manche Kröte schlucken. Das ist der Moment der geschickten Verhandlungsgenies, die dann einfach hoffen müssen dann nicht irgend ein kompromissloser Hardliner reingrätscht und alles Erreichte wieder kaputt macht.
Da ist Politik wie das richtige Leben.
Bei so ekelhaften Nachbarschaftstreitigkeiten, wo sich die Kampfhähne rettungslos ineinander verkeilt haben. Da gibt’s in den Familien auch meistens ein paar kompromissfähige Menschen, die eigentlich Frieden und Versöhnung wollen.
Wenn die sich mal zusammentun – die Streithähne rauslassen – und miteinander einen Weg finden sich zu vertragen. Das ist eine unglaubliche Chance.
Und die zankenden Gockel lassen wir mal außen vor und konfrontieren sie mit vollendeten Tatsachen konfrontiert: Wir versuchen es nochmal miteinander, weil die ewige Streiterei uns alle kaputtmacht. Basta.
Ja, man muss nicht nur über Politik, schimpfen – man kann ja auch was davon lernen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 1. November 2017 – Allerheiligen

Guten Morgen

Heute ist der 1. November – Allerheiligen. Ein Fest, bei dem es ursprünglich darum ging, an jene Christen zu denken, die für ihren Glauben gestorben sind. Die zum Beispiel während der Christenverfolgung in Rom umgekommen sind, oder auch von der eigenen Familie umgebracht wurden, weil denen dieser neue christliche Glaube nicht gefallen hat.
Inzwischen hat sich die Frage „wer sind Heilige“ in der Kirche verändert. Denn nicht nur diese Märtytrer oder besonders herausragende, heiliggesprochene Christen sind damit gemeint. Eigentlich ist jeder Christ, der sein Leben im Vertrauen auf Gott führt, ein Heiliger. Einer der zu Gott gehört, und damit etwas Besonderes ist.
Und so möchte ich Allerheiligen für mich verstehen: Als Tag, der mir bewusst macht: Die heldenhaften christlichen Märtyrer, die bewunderten Heiliggesprochenen der vielen Jahrhunderte, und ich – wir gehören zur gleichen Mannschaft – uns verbindet der gleiche Glaube – den jeder an seinem Platz auf dieser Welt nach seinen Möglichkeiten mit Leben füllt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 31. Oktober 2017 – 500 Jahre Reformation

Guten Morgen,
heute vor 500 Jahren hat Martin Luther seine berühmten 95 Thesen veröffentlicht. Damit er hat nicht nur die Kirche verändert, sondern das ganze Denken seiner Zeit. Eine gewaltige Veränderung der Welt – durch so einen kleinen Mönch mit 95 Thesen auf lapprigem Papier.
Kaum zu glauben!
Naja, in Wirklichkeit waren da ja auch viele andere Menschen, die das gleiche dachten wie er, die die gleichen Fragen hatten.
Aber erst, als er den Mut hatte, seine Forderung nach Veränderung auch gegenüber den Mächtigen öffentlich auszusprechen, haben sich diese vielen auch aus der Deckung getraut – und schnell kam die Reformation in Schwung.
Wer weiß, was geworden wäre, wenn Luther den Mund gehalten hätte…
Ich bin froh, dass wir auch heute immer wieder mutige Menschen haben, die sich trauen, es laut auszusprechen, wenn etwas nicht stimmt – und ich hoffe dass wir dann andere haben, die mithelfen, dass dieser eine, der die Wahrheit sagt, von den Mächtigen nicht mundtot gemacht wird.
Das brauchen wir – auch nach 500 Jahren – immer noch!
Eine guten Tag wünsche ich ihnen

Andacht zum 28. Oktober 2017: Trau dich

Guten Morgen,
ein paar Stunden sind es noch, dann sagen sich in unserer kleinen Dorfkirche Uwe und Carina das Ja-Wort fürs Leben. Das ist dann die zwölfte Trauung, die ich in diesem Jahr halten darf. Ich kenne Jahre, da hatte ich grade mal ein oder zwei Paare vor dem Altar stehen.
Offenbar ist heiraten wieder im Trend.
Noch etwas anderes ist im Kommen: Immer mehr Paare haben auch den Mut, sich in der Kirche ihr Ja-Wort als gegenseitiges Trauversprechen zu geben. Mit eigenen Worten formulieren sie, was ihnen für die gemeinsame Zukunft wichtig ist. Da geht es um mehr als Brautkleid und Bling-Bling. Diese selbstformulierten Versprechen finde ich sehr berührend – vielleicht aus deshalb, weil sie mich anregen, zu überlegen, was mir selber in meiner Ehe wichtig ist.
Eine Braut hat in diesem Sommer zum Beispiel folgende Worte gefunden: Ich will dir ein Leben lang Geborgenheit und Liebe zu schenken, für dich und unsere Familie eine verlässliche und treue Gefährtin zu sein, dich achten und auf dich Acht geben, dir aber auch Kraft und Trost in schwierigen Zeiten zu spenden.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Andacht zum 21. Oktober 2017: Nimm mich in den Arm

Guten Morgen,
da sitze als Pfarrer mit einer Familie am Küchentisch. Der Vater ist gestorben, hoch in die Achzig. Zusammen schauen wir auf das Leben des Verstorbenen zurück. Ich höre von fröhlichen Urlaubsreisen, von mancher überstandenden Krise, von der großen Dankbarkeit, dass man so lange mit ihm zusammensein konnte – denn er war einer, der für seine Familie alles gemacht hat.
Aber eines, ja eines war schade, … da schauen mich Töchter und Söhne gleichermaßen an, er hat uns halt eigentlich nie in den Arm genommen und geknuddelt. Das war uns als Kinder gar nicht so bewusst, und je älter wir geworden sind, umso mehr spüren wir, dass uns das gefehlt hat. Schade, dass man das nun nicht mehr nachholen kann.
Ob wir heute da besser sind, als die Generationen vor uns? Im Beruf hängen wir uns rein. Den Großteil der Freizeit verbringen wir mit den Kindern; machen Ausflüge, Action und tralala. Aber gönne ich uns auch die Zeit, am Sonntagnachmittag gemeinsam auf dem Sofa zu kuscheln?
Einfach Nähe schenken. Das Gefühl, dass der Papa mehr ist, als ein Entertainer.
Einer, der Liebe schenkt, auch wenn sein Bart beim knuddeln kratzt.
Mit einem großes Herz, dem man alles anvertrauen kann.
Dessen Bauch ein bisschen ein Fels in der Brandung des Lebens ist.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

 

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Andacht am 17. Oktober 2017: Mal ein anderer Charakter

Guten Morgen
„Hi, du, ich hab mir grade einen neuen Charakter freigeschaltet“. Diesen seltsamen Satz habe ich zufällig in der U-Bahn gehört. Es ging um ein Online-Spiel, und der junge Mann hatte genügend Punkte erreicht, um eine neue Spielfigur nutzen. Nun war er nicht mehr als Bauer unterwegs, sondern als Ritter mit neuen Fähigkeiten im Kampf und einer kleinen Burg.
Sich schnell mal einen anderen Charakter freischalten – wenn das im echten Leben auch so einfach wäre. Die eigenen Schwächen, die Eigenheiten, die mir am mir selber nicht gefallen, gegen ein anderes Ego einzutauschen. So eine Art Upgrade für das eigene Dasein. Das wäre ziemlich cool.
Aber würde ich das wirklich wollen? Also … ich stecke ja schon länger in meiner Haut – ich bin mit mir selbst über die Jahre ziemlich vertraut und im großen und ganzen nicht unzufrieden. Gott hat sich anscheinend schon etwas dabei gedacht, dass ich so bin, wie ich bin.
Nein, ich würde keinen ganz anderen Alexander freischalten wollen – ich würde lieber mit dem, was ich bin, mein Leben gestalten – innerlich beweglich bleiben und dabei mein Leben und meine Umwelt immer wieder ein bisschen verändern.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 14. Oktober 2017: Was ist der Mensch wert?

Guten Morgen,
bei dem Champions-League-Spiel vergangene Woche war mal wieder die Rede von der irrsinnigen Summe von 222 Millionen Euro, die dafür gezahlt wurde, dass der Fußballer Neymar in Zukunft für den Verein Paris St. Germain die Tore schießt.
Mir hat da jemand gesagt: Ein Mensch ist niemals 220 Millionen Euro wert, eigentlich nicht mal 10 Millionen. Und in seiner Stimme könnte ich hören, wie ihn diese Form von Menschen-Handel anwiderte.
Aber wie viel ist denn ein Mensch wert? Wo sollen wir da anfangen zu rechnen?
Wieviel bringt seine Arbeitskraft ein?
Wie groß ist sein Wert als Werbeikone?
Wieviel Euro wären wir bereit als Lösegeld zu zahlen?
Was dürfte ein lebensrettendes Medikament kosten, damit es sich rentiert?
Und was zahlt die Versicherung den Angehörigen, wenn der Mensch bei einem Unfall ums Leben kommt?
Da merke ich, wie unsinnig und auch unwürdig es ist, ein Menschenleben in Euro bewerten zu wollen. Jeder Mensch – jedes Leben –ist ein Geschenk Gottes. Etwas, bei dem es wunderbar ist, wenn es da ist – und bei dem kein Geld der Welt über den Verlust hinwegtrösten kann.
Ja, jedes Leben ist ein unbezahlbarer Schatz – also passen sie auch gut darauf auf. Auch wenn sie kein Fußballstar sind.

Andacht zum 6. Oktober 2017: Der 6. Oktober 539 vor Christus

Guten Morgen
Es war wie heute ein 6. Oktober als im Jahr 539 vor Christus ein Weltreich von der Landkarte verschwand.
Das Neubabylonische Reich hatte knapp 100 Jahre lang zwischen Zypern und dem Persischen Golf alles besiegt und unterworfen, was da zuvor als Staat oder Königreich existierte. Ihr König Nebukadnezar war es auch, der einst die Stadt Jerusalem dem Erdboden gleichmachte und tausende von Israeliten in die eigene Hauptstadt verschleppte.
Die babylonische Supermacht war offenbar nicht zu stoppen.
Bis die ersten inneren Zerfallserscheinungen auftauchten: Die Mächtigen kamen sich gegenseitig ins Gehege, viele kochten ihr eigenes Süppchen … am Ende war Babylon ein Schattens einer selbst, und an diesem 6. Oktober nahm der persische König Kyros die Stadt praktisch kampflos ein.
Auch die Bibel erzählt davon – denn nun war Israel wieder frei und man konnte Jerusalem nach 50 Jahren wieder aufbauen. Damit hatte kaum einer mehr gerechnet. So ist für mich der 6. Oktober so ein Gedenktag daran, dass die Herrschaft der scheinbar absolut Über-Mächtigen auch irgendwann ein Ende haben kann.