Andacht zum 16. Dezember 2017: Und unserm bösen Nachbarn auch ….

Guten Morgen,
es passiert ja immer wieder mal, dass man Liedtexte falsch in Erinnerung hat, und im dümmsten Fall dann auch verkehrt mitsingt.
So ging es mir als Jugendlichen mit dem alten Kirchenlied „der Mond ist aufgegangen“. Da heißt es – so dachte ich – ganz am Ende: „Verschon uns Gott vor Strafen und lass uns ruhig schlafen, und unsern bösen Nachbarn auch“. Das fand ich beeindruckend: Auch dem bösen, vielleicht recht streitsüchtigen Nachbarn trotz Allem eine gute Nacht wünschen. Denn wahrscheinlich ist er genau wie ich ein Mensch, der halt so seine charakterlichen Schwächen hat – aber den Gott dennoch lieb hat.
Ja… und dann habe ich irgendwann gemerkt, dass der Schluss des Liedes in Wirklichkeit ganz anders geht: „und lass uns ruhig schlafen, und unsern kranken Nachbarn auch“. OK, das ist auch ein schöner Wunsch. Und ich singe natürlich auch diesen „richtigen“ Text. Aber jedes Mal erinnere ich mich dann doch an meinen Fehler von damals, und denke: Ja, auch dem bösen Nachbarn, dem Mitmenschen, der mir immer wieder auf die Nerven geht, dem wünsche dennoch eine gute Nacht, und einen guten Tag.

Andacht zum 9. Dezember 2017: Lebensträume

Guten Morgen,
einen Sommer lang als Sennerin auf der Alm in den Bergen. Diesen langgehegten Wunsch hat sich die Nürnbergerin Sibylle Leimeister erfüllt. In ihrem Buch „Zeitlang“ schreibt sie davon, dass die Wirklichkeit in den Alpen dann manchmal eher ein Alptraum war. Weil alles anders war als gedacht, weil die Menschen auf 2000 Metern Höhe tatsächlich so seltsam und knurrig waren, wie der Alm-Öhi bei Heidi … rundum: Aus dem idyllischen Traum wurde ein hartes Abenteuer, das Sibylle immer wieder an ihre Grenzen brachte.
Sicherlich hätten ihr manche Freunde schon vorher sagen können, dass es anders sein wird, als in der romantischen Phantasie einer Frau, die die Alpen nur vom Wandern kennt.
Aber ist es nicht so, dass solche Lebens-Träume uns gut tun? Mir im Gedanken ausmalen, wie das wäre, wenn ich einmal tatsächlich diesen einen langgehegten Wunsch in die Tat umsetzte. Das hilft mir über so manche trübe Alltagserfahrung hinweg.
Ja, und wenn es dann vielleicht soweit kommt, dass ich wie Sibylle erleben muss, dass es sich ganz anders entwickelt, als in meiner romantischen Phantasie – dann hoffe ich, dass ich wie sie in ihrem Buch zum Ergebnis kommen kann:
Es war ganz anders, es hat mich verändert, und ich bereue es nicht.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 5. Dezember 2017: Spatzen und Kokosnüsse

Guten Morgen,
es ist soweit, morgen ist die feierliche Eröffnung des Christkindlesmarkts. Und wir als Familie gehen da endlich mal wieder hin.
Und wenn ich das erzähle, zieht da einer die Stirne kraus: Naja … ich will nichts sagen … aber man hört so viel von Anschlägen ….
Natürlich kann man von Statistik reden – davon, dass man eher von Blitz oder einer Kokosnuss erschlagen wird, als Opfer eines Attentats. Aber ich hab es nicht so mit Kokusnüssen. Ich finde da die Spatzen besser!
Was ich meine? Jesus hat gesagt. Schaut euch die Spatzen an, zu tausenden flattern sie da draußen herum, und doch fällt keiner von ihnen tot vom Himmel, ohne dass Gott das will. – Ihr Menschen seid für Gott viel wichtiger als tausend Spatzen. Er hat bei euch sogar die Haare auf dem Kopf gezählt. Darum fürchtet euch nicht.
Ja, die Spatzen erinnern mich daran: Ich brauche mich nicht fürchten. Über mein Leben entscheidet kein Attentäter – sondern Gott allein.
Und wenn der nicht will, dass mir etwas passiert, kann ich am Samstag in der Zeitung lesen, dass ein Attentäter kurz vor einem Ziel von einer Kokosnuss erschlagen wurde.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 2. Dezember 2017: Der erste Advent ein Turbo-Advent?

Guten Morgen,
soderla, das erste Adventswochenende ist am Start. In diesem Jahr haben wir ja eigentlich nur 3 Wochen Advent. Denn der 4. Advent ist ja schon der heilige Abend. Das heißt, alles muss diesmal ein bisschen schneller gehen.
Oder lieber doch nicht? Wir sind ja nicht bei der Formel 1, wo es darum geht, als schnellster zuerst im Ziel zu sein.
Advent ist doch genau anders! Langsamer machen, Ruhe, einen Gang zurückschalten ist das Thema. Das Haus schmücken, ein Glas Tee trinken, nit Tante Anne am Telefon ein Viertelstündchen entspannt plaudern. Sich anhören, wie andere sagen, dass es in der Innenstadt der totale Streß ist mit dem Einkaufen, und dann sagen: „Ach? Ich habe hier ums Eck ein paar nette Kleinigkeiten eingekauft, das langt.“
In welche Richtung solls in diesem Advent gehen? Formel 1 oder Sofaecke? Sie haben es in der Hand, wie die drei Wochen aussehen sollen. Mein Tipp: Lassen sie es langsam angehen, schrauben Sie Ihre Erwartungen herunter, denn hektischer als geplant wird es sowieso ganz von alleine.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Andacht zum 28. November: Adventskalender

Guten Morgen,
Es ist soweit, in deutschen Wohnungen hängen die Adventskalender und warten auf ihren Einsatz. Gefüllt mit kleinen Schoko-Täfelchen, Pralinen, Spielzeugen oder was sonst den kreativen Bastlern so alles eingefallen ist.
Ein ganz besonderes Exemplar ist der Adventskalender der Nächstenliebe. Der besteht darin, dass man versucht an jedem Tag einmal ein unsichtbares Türchen der Nächstenliebe aufzumachen:
Das eine Mal gibt es ein besonderes Lob für einen Kollegen.
Am andern Tag werde ich mich bewusst einmal nicht über die total nervige Marotte eines Freundes aufregen.
Und zur Besprechung am Montag bringe ich mal ein bisschen was zum Naschen mit.
24 Tage, an denen ich jeweils einmal bewusst einem Anderen etwas schenke: Freundlichkeit, Lob, Großzügigkeit, Verzeihen oder Anerkennung.
Ich weiß nicht, ob ich es schaffe – aber die Idee, die gefällt mir gut – das muss man einfach mal ausprobiert haben.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 25. November 2017: Der Meister der Zufriedenheit

Guten Morgen,
Paul hatte kürzlich seinen 90. Geburtstag. Neuzig, das ist ein hohes Alter; und er ist tatsächlich nicht mehr so richtig fit. Mit dem Rollator geht’s ein paar Meter durch die Wohnung – mehr ist nicht mehr drin. Aber das macht nichts, denn am liebsten sitzt er in seinem Ohrensessel in der gut geheizten Bauernstube.
Da thront er ein bisschen wie ein König. Glücklich, zufrieden und dankbar für jedes einzelne Lebensjahr. Dabei hat er gar kein besonders abenteuerliches Leben gehabt. Aber er hat gelebt. Hat geliebt und wurde geliebt. Das reicht ihm.
Ach ja: Als er vor 90 Jahren geboren wurde, wog er grade mal 1000 Gramm. Kaum einer hätte gedacht, dass er die nächsten Tage überstehen würde.
Und jetzt schaut er auf 90 Jahre Leben zurück. Neunzig geschenkte Jahre Leben.
Er meint: Das Leben an sich ist es wert, dass man dafür dankbar ist. Da muss man nicht versuchen, es mit Luxus und Firlefanz wertvoller zu machen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 18. November 2017: Laubbläser

Guten Morgen
bilde ich es mir nur ein, oder gibt es tatsächlich immer mehr Menschen, die im Garten oder vor dem Haus mit einem Laubbläser herumhantieren?
Also ich weiß nicht, ob das wirklich einen Vorteil bringt – also im Vergleich zum klassischen Laubrechen. Denn mit dem Laubbläser spielt man Wind …. aber die natur kann das mit dem Wind viel besser, denn der pustet mit der Kraft und Ausdauer von hundert Laubbläsern immer wieder neue Blätter in meinen Garten und vor mein Haus.
Es ist manchmal schon zum Verrücktwerden, wenn man sich scheinbar vergeblich abmüht.
Das ist ja nicht nur im Garten so.Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich als Mensch so ein paar schlechte Angewohnheiten habe, die genauso sind, wie das Laub. Ich kämpfe dagegen – habe irgendwann den Eindruck: Ja, geschafft, jetzt bist du ein besserer Mensch … und kurze Zeit später sieht es genauso aus wie vorher.
Wie gut, dass ich einen Glauben und einen Garten habe.
Der Glaube hat mir beigebracht: Gott liebt mich. Trotz meiner Schwächen.
Und der Garten hat mich gelehrt: Wenn ich nur oft genug scheinbar vergeblich das Laub wegräume, irgendwann ist es dann doch geschafft – spätestens beim ersten Schnee.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 11. November 2017: Bücher versperren den Weg

Guten Morgen,
in der Nähe von Venedig habe ich im Sommer die alte Festung „Forte Treporti“ besucht. Sie war einst gebaut worden, um Angreifer der Lagune von Venedig vom Osten her zu beschießen.
Sie steht noch immer, inzwischen als Denkmal. Das Besondere: Das alte Zentralgebäude kann man nicht betreten. Alle Türen und Fenster sind sorgfältig mit Büchern zugeschlichtet. Wie große Regale wirken diese ehemaligen Zugänge.
Bücher, die den Weg in die kriegerische Zentrale versperren. Auch Bibeln sind dabei. Ein wunderbares Bild.
Bücher als Bollwerk gegen militärische Gewalt.
Bibeln, die Widerstand leisten gegen blindes Vergelten.
Gedichte, die Menschen auf dem Weg an die Waffe umkehren lassen.
Vielleicht sollten wir öfter gute Worte lesen, gerne auch welche aus der Bibel. Und dadurch spüren, welche Wege gut sind, und bei welchen genau diese Worte mir sagen, es ist besser, wieder umzukehren.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 4. November 2017 – Koalitionsfragen

Guten Morgen,
in Berlin, die Koalitions-Verhandlungen, die sind ja sogar dann noch spannend, wenn man sich gar nicht für Politik interessiert.
Unglaublich wie da gekämpft wird. Man sucht nach den Gemeinsamkeiten und muss auch so manche Kröte schlucken. Das ist der Moment der geschickten Verhandlungsgenies, die dann einfach hoffen müssen dann nicht irgend ein kompromissloser Hardliner reingrätscht und alles Erreichte wieder kaputt macht.
Da ist Politik wie das richtige Leben.
Bei so ekelhaften Nachbarschaftstreitigkeiten, wo sich die Kampfhähne rettungslos ineinander verkeilt haben. Da gibt’s in den Familien auch meistens ein paar kompromissfähige Menschen, die eigentlich Frieden und Versöhnung wollen.
Wenn die sich mal zusammentun – die Streithähne rauslassen – und miteinander einen Weg finden sich zu vertragen. Das ist eine unglaubliche Chance.
Und die zankenden Gockel lassen wir mal außen vor und konfrontieren sie mit vollendeten Tatsachen konfrontiert: Wir versuchen es nochmal miteinander, weil die ewige Streiterei uns alle kaputtmacht. Basta.
Ja, man muss nicht nur über Politik, schimpfen – man kann ja auch was davon lernen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 1. Juni 2017: Albert Schweitzer

Heute am 1. Juni ist der Albert-Schweitzer- Gedenktag. Der Arzt und Theologe war berühmt für für sein Engagement in Afrika, wo er sein bekanntes Krankenhaus gegründet hatte. Zugleich war er ein einflussreicher Denker seiner Zeit.
Er nutzte seine Berühmtheit geschickt aus. Nicht nur um Geld für seine Arbeit in Afrika einzusammeln; er schaffte es auch, bestimmte, eigentlich altbekannte Themen wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
So wurde Jesu Gebot der Nächstenliebe durch Albert Schweitzer auch für kirchenferne Leute interessant. Anzuerkennen, dass der Andere nicht weniger leben möchte, als ich auch. „Ehrfurcht vor dem Leben“ – das war sein Schlagwort.– Wenn ich mich heute dabei ertappe, wie ich bei der einer Meldung über ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmer eher teilnahmslos mit den Schultern zucke – dann sehe ich: Die Forderung nach einer Nächstenliebe, die sich nicht von Landes- oder Rassengrenzen aufhalten lässt, ist immer noch brandaktuell.
So diagnostizierte Schweitzer einmal: „Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir (eigentlich) sind“
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen