Andacht zum 28. November: Adventskalender

Guten Morgen,
Es ist soweit, in deutschen Wohnungen hängen die Adventskalender und warten auf ihren Einsatz. Gefüllt mit kleinen Schoko-Täfelchen, Pralinen, Spielzeugen oder was sonst den kreativen Bastlern so alles eingefallen ist.
Ein ganz besonderes Exemplar ist der Adventskalender der Nächstenliebe. Der besteht darin, dass man versucht an jedem Tag einmal ein unsichtbares Türchen der Nächstenliebe aufzumachen:
Das eine Mal gibt es ein besonderes Lob für einen Kollegen.
Am andern Tag werde ich mich bewusst einmal nicht über die total nervige Marotte eines Freundes aufregen.
Und zur Besprechung am Montag bringe ich mal ein bisschen was zum Naschen mit.
24 Tage, an denen ich jeweils einmal bewusst einem Anderen etwas schenke: Freundlichkeit, Lob, Großzügigkeit, Verzeihen oder Anerkennung.
Ich weiß nicht, ob ich es schaffe – aber die Idee, die gefällt mir gut – das muss man einfach mal ausprobiert haben.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 25. November 2017: Der Meister der Zufriedenheit

Guten Morgen,
Paul hatte kürzlich seinen 90. Geburtstag. Neuzig, das ist ein hohes Alter; und er ist tatsächlich nicht mehr so richtig fit. Mit dem Rollator geht’s ein paar Meter durch die Wohnung – mehr ist nicht mehr drin. Aber das macht nichts, denn am liebsten sitzt er in seinem Ohrensessel in der gut geheizten Bauernstube.
Da thront er ein bisschen wie ein König. Glücklich, zufrieden und dankbar für jedes einzelne Lebensjahr. Dabei hat er gar kein besonders abenteuerliches Leben gehabt. Aber er hat gelebt. Hat geliebt und wurde geliebt. Das reicht ihm.
Ach ja: Als er vor 90 Jahren geboren wurde, wog er grade mal 1000 Gramm. Kaum einer hätte gedacht, dass er die nächsten Tage überstehen würde.
Und jetzt schaut er auf 90 Jahre Leben zurück. Neunzig geschenkte Jahre Leben.
Er meint: Das Leben an sich ist es wert, dass man dafür dankbar ist. Da muss man nicht versuchen, es mit Luxus und Firlefanz wertvoller zu machen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 18. November 2017: Laubbläser

Guten Morgen
bilde ich es mir nur ein, oder gibt es tatsächlich immer mehr Menschen, die im Garten oder vor dem Haus mit einem Laubbläser herumhantieren?
Also ich weiß nicht, ob das wirklich einen Vorteil bringt – also im Vergleich zum klassischen Laubrechen. Denn mit dem Laubbläser spielt man Wind …. aber die natur kann das mit dem Wind viel besser, denn der pustet mit der Kraft und Ausdauer von hundert Laubbläsern immer wieder neue Blätter in meinen Garten und vor mein Haus.
Es ist manchmal schon zum Verrücktwerden, wenn man sich scheinbar vergeblich abmüht.
Das ist ja nicht nur im Garten so.Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich als Mensch so ein paar schlechte Angewohnheiten habe, die genauso sind, wie das Laub. Ich kämpfe dagegen – habe irgendwann den Eindruck: Ja, geschafft, jetzt bist du ein besserer Mensch … und kurze Zeit später sieht es genauso aus wie vorher.
Wie gut, dass ich einen Glauben und einen Garten habe.
Der Glaube hat mir beigebracht: Gott liebt mich. Trotz meiner Schwächen.
Und der Garten hat mich gelehrt: Wenn ich nur oft genug scheinbar vergeblich das Laub wegräume, irgendwann ist es dann doch geschafft – spätestens beim ersten Schnee.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 11. November 2017: Bücher versperren den Weg

Guten Morgen,
in der Nähe von Venedig habe ich im Sommer die alte Festung „Forte Treporti“ besucht. Sie war einst gebaut worden, um Angreifer der Lagune von Venedig vom Osten her zu beschießen.
Sie steht noch immer, inzwischen als Denkmal. Das Besondere: Das alte Zentralgebäude kann man nicht betreten. Alle Türen und Fenster sind sorgfältig mit Büchern zugeschlichtet. Wie große Regale wirken diese ehemaligen Zugänge.
Bücher, die den Weg in die kriegerische Zentrale versperren. Auch Bibeln sind dabei. Ein wunderbares Bild.
Bücher als Bollwerk gegen militärische Gewalt.
Bibeln, die Widerstand leisten gegen blindes Vergelten.
Gedichte, die Menschen auf dem Weg an die Waffe umkehren lassen.
Vielleicht sollten wir öfter gute Worte lesen, gerne auch welche aus der Bibel. Und dadurch spüren, welche Wege gut sind, und bei welchen genau diese Worte mir sagen, es ist besser, wieder umzukehren.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 4. November 2017 – Koalitionsfragen

Guten Morgen,
in Berlin, die Koalitions-Verhandlungen, die sind ja sogar dann noch spannend, wenn man sich gar nicht für Politik interessiert.
Unglaublich wie da gekämpft wird. Man sucht nach den Gemeinsamkeiten und muss auch so manche Kröte schlucken. Das ist der Moment der geschickten Verhandlungsgenies, die dann einfach hoffen müssen dann nicht irgend ein kompromissloser Hardliner reingrätscht und alles Erreichte wieder kaputt macht.
Da ist Politik wie das richtige Leben.
Bei so ekelhaften Nachbarschaftstreitigkeiten, wo sich die Kampfhähne rettungslos ineinander verkeilt haben. Da gibt’s in den Familien auch meistens ein paar kompromissfähige Menschen, die eigentlich Frieden und Versöhnung wollen.
Wenn die sich mal zusammentun – die Streithähne rauslassen – und miteinander einen Weg finden sich zu vertragen. Das ist eine unglaubliche Chance.
Und die zankenden Gockel lassen wir mal außen vor und konfrontieren sie mit vollendeten Tatsachen konfrontiert: Wir versuchen es nochmal miteinander, weil die ewige Streiterei uns alle kaputtmacht. Basta.
Ja, man muss nicht nur über Politik, schimpfen – man kann ja auch was davon lernen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 1. November 2017 – Allerheiligen

Guten Morgen

Heute ist der 1. November – Allerheiligen. Ein Fest, bei dem es ursprünglich darum ging, an jene Christen zu denken, die für ihren Glauben gestorben sind. Die zum Beispiel während der Christenverfolgung in Rom umgekommen sind, oder auch von der eigenen Familie umgebracht wurden, weil denen dieser neue christliche Glaube nicht gefallen hat.
Inzwischen hat sich die Frage „wer sind Heilige“ in der Kirche verändert. Denn nicht nur diese Märtytrer oder besonders herausragende, heiliggesprochene Christen sind damit gemeint. Eigentlich ist jeder Christ, der sein Leben im Vertrauen auf Gott führt, ein Heiliger. Einer der zu Gott gehört, und damit etwas Besonderes ist.
Und so möchte ich Allerheiligen für mich verstehen: Als Tag, der mir bewusst macht: Die heldenhaften christlichen Märtyrer, die bewunderten Heiliggesprochenen der vielen Jahrhunderte, und ich – wir gehören zur gleichen Mannschaft – uns verbindet der gleiche Glaube – den jeder an seinem Platz auf dieser Welt nach seinen Möglichkeiten mit Leben füllt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 31. Oktober 2017 – 500 Jahre Reformation

Guten Morgen,
heute vor 500 Jahren hat Martin Luther seine berühmten 95 Thesen veröffentlicht. Damit er hat nicht nur die Kirche verändert, sondern das ganze Denken seiner Zeit. Eine gewaltige Veränderung der Welt – durch so einen kleinen Mönch mit 95 Thesen auf lapprigem Papier.
Kaum zu glauben!
Naja, in Wirklichkeit waren da ja auch viele andere Menschen, die das gleiche dachten wie er, die die gleichen Fragen hatten.
Aber erst, als er den Mut hatte, seine Forderung nach Veränderung auch gegenüber den Mächtigen öffentlich auszusprechen, haben sich diese vielen auch aus der Deckung getraut – und schnell kam die Reformation in Schwung.
Wer weiß, was geworden wäre, wenn Luther den Mund gehalten hätte…
Ich bin froh, dass wir auch heute immer wieder mutige Menschen haben, die sich trauen, es laut auszusprechen, wenn etwas nicht stimmt – und ich hoffe dass wir dann andere haben, die mithelfen, dass dieser eine, der die Wahrheit sagt, von den Mächtigen nicht mundtot gemacht wird.
Das brauchen wir – auch nach 500 Jahren – immer noch!
Eine guten Tag wünsche ich ihnen