Andacht zum 24. November 2015 – Gott sieht mich

„Denn die einen sind im Dunkeln, und die andern sind im Licht, und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“.
Guten Morgen, was ich eben gelesen habe, ist wohl der bekannteste Satz aus Brechts Dreigroschenoper. Und auch nach über 80 Jahren ist er immer noch nicht überholt.

Trotz Fernsehen und Facebook: Viele Menschen tauchen irgendwie nie auf – scheinen keine Rolle in unserer Welt zu spielen – sind nicht im Rampenlicht, bekommen keinen Applaus und auf facebook drückt keiner den „like-Button“.

In der Bibel wird von Hagar erzählt. Eine Dienerin, die von ihrem Herrn schwanger wird und aus dem Haus flieht. Eine Frau mit großen Sorgen und nur kleinen Hoffnungen. Aber dann erscheint ihr ein Engel, der ihr einen Weg zeigt, wie ihr Leben weitergehen kann. Kein einfacher Weg – aber erste Schritte in die Zukunft.
Darauf antwortet sie mit einem Satz: „du bist ein Gott, der mich sieht“.
Dieser Satz ist wie gemacht für uns alle, die wir manchmal den Eindruck gewinnen: Ich gehöre zu der Masse im Dunkeln. ich bin nicht systemrelevant; nach mir dreht sich auf der Straße keiner um. „Du bist ein Gott, der mich sieht“.

Hagar hat gelernt: Ich habe einen Gott, der mich sieht. Dem bin ich nicht egal.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 21. November 2015: Immer wieder Laub

Guten Morgen
Es ist wieder soweit: Die riesigen Eichenbäume am Rande unseres Gartens werfen ihre Blätter ab.  Wochenlang haben wir dann mit dem Laub zu kämpfen: Immer wieder fällt was runter und es nimmt kein Ende. Da kehrst du heute das Laub zusammen und schon ein paar Stunden später ist wieder alles voll.
Eine endlose, irgendwie auch frustrierende Beschäftigung…
Wie so vieles im Leben.
Manchmal geht es mir mit mir selber so: Ich merke, dass in meinem Leben nicht alles so ist, wie Gott sich das vorstellt.
Dann versuche ich es, besser zu machen, aber dann erlebe ich: Schon nach kurzer Zeit ist schon wieder alles beim Alten. Es sieht in mir genauso aus wie vorher; als hätte ich nie versucht, etwas zu verändern.
Ein endloser Kampf  – wie beim Laub dieser alten Eichen. Es ist zum Verzweifeln.

Gerade da finde ich einen Spruch von Franz von Sales ganz wunderbar.

Wenn dein Herz wandert oder leidet,
bringe es behutsam an seinen Platz zurück
und versetze es sanft in die Gegenwart unseres Gottes.
Und selbst, wenn du in deinem Leben nichts getan hast,
außer dein Herz zurückzubringen, obwohl es jedes Mal wieder fortlief, nachdem du es zurückgeholt hattest,
dann hast du dein Leben wohl erfüllt.

Andacht für den 17. Novemver 2015: Systematisch unglücklich

Guten Morgen,
wissen sie was Kleinkinder trotz ihres Alter schon perfekt beherrschen? Sie wissen genau, wie man sich systematisch unglücklich macht! Stellt man ihnen beim Frühstück einen Teller hin, wollen sie Müsli. Bringt man das dann wird gemotzt, weil ich die Milch schon eingeschenkt habe. Im Kinderzimmer gibt es Zoff, weil die eine immer genau die Barbie, will, mit der die große Schwester spielt. Und jeder weiß, was passieren wird, wenn die große Schwester ihr diese Barbie gibt und anfängt, mit der Playmobilprinzessin zu spielen.
Echt! Mit dieser Strategie machen sich die Kleinen systematisch unglücklich. – Kinder sind manchmal wirklich dämlich!

Ich bin als Erwachsener natürlich viel gescheiter.
~ Nie käme ich auf die Idee, stundenlang in Prospekten von Autos zu blättern, die ich mir nie leisten kann.
~ Meine Augen saugen sich nicht an makellosen halbnackten Schönheiten am Bildschirm fest – sondern ausschließlich an der meiner holden Gattin.
~ Und ich habe mich noch nie darüber geärgert, dass der Kollege im Nachbarort am Sonntag mehr Leute im Gottesdienst sitzen hat als ich.

Darum bin ich auch richtig zufrieden! (Stille, seufzen) – Besser gesagt: ich werde dran arbeiten!
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Andacht für den 14. November: Nervensägen saugen!

Guten Morgen,
an meiner Tankstelle steht so ein Auto-Staubsauger. Das ist ja ein Gerät – der saugt ja alles auf, was im Auto liegt  und ihm in die Quere kommt:
Parkscheine, Kleingeld, Batterien, ganze Kekse – slurp… und weg!

Es gibt Menschen und Situationen, die funktionieren ähnlich. Leute, die mir auf die Nerven gehen, die furchtbar anstrengend sind; Konflikte, die seit Monaten vor sich hinschwelen. Die saugen jedes bisschen Lebensfreude und Energie aus mir heraus. Da bin ich gut drauf, freue mich meines Lebens … und kaum denke ich an denjenigen slupp, ist das alles weg, und alles erscheint wieder schwer, mühsam und trist.

Bei Staubsauger habe ich gelernt: Bring dein Kleingeld in Sicherheit, sonst ist es nachher weggesaugt. Bei den Lebensfreude-Saugern muss ich auch aufpassen. Manchmal muss ich mich direkt zwingen, meine Aufmerksamkeit mal nicht auf sie zu richten. Sondern auf das was im Leben gut ist und gelingt.

Jesus hat in seiner Bergpredigt auch den Tipp gegeben: Schau nicht laufend auf deine Sorgen – sondern schau auf die Leichtigkeit der Vögel, die sich von Gott versorgt wissen. Nimm die Energie, die in diesen Bildern steckt, in dich auf! Da kannst du Lebensfreude saugen – statt selber leergesaugt zu werden.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Andacht zum 10. November 2015 – Worte für mein Tattoo

Guten Morgen!
Sachen gibt’s da hab ich eine Frau getroffen die hat die Namen ihrer beiden Kinder links und rechts flächendeckend auf den Unterarm tätowiert. Da hab ich mich gefragt, was macht die, wenn ein drittes kommt? Lässt die sich dann einen dritten Arm wachsen?
Oder so Tattoos mit manchmal auch etwas peinlichen Sinnsprüchen. Sogar auf Latein! – Obwohl der Träger nie Latein gelernt hat.
Ach … genug gelästert.
Ich hab mir überlegt: Was für einen Satz würde ich mir tätowieren lassen?
Welches Wort? Welcher Gedanke wäre mir so wichtig, dass ich ihn für den Rest meines Lebens vor Augen und auf der Haut tragen wollte?
Was bringt das auf den Punkt, was mein Leben ausmacht? Nicht so gängige Slogans – sondern wirklich meins!
Puh…  ist gar nicht so einfach … haben Sie schon eine Idee … da braucht man länger, gell? … Ich sehe schon, heute früh wird das nichts mehr –

Aber das lohnt sich schon – genau nachzudenken, was mein Motto ist – wovon ich mich leiten lassen will.
Ein gutes Nachdenken wünsche ich Ihnen.

Andacht zum 8. November: Der Kümmel (Radioandachten-Reihe über Gewürze)

Guten Morgen,
in dieser Woche lasse ich mich mal von meinem Gewürzregal zu meinen Andachten inspirieren. Zum Beispiel vom Kümmel, der steht da ganz weit oben rechts. Das hat schon einen Grund, weshalb der so weit abseits steht. Ich fand ihn schon als Kind ekelhaft. Wenn es daheim Bratkartoffeln gab, hat meine Mutter davon jede Menge über die Kartoffeln gegeben. Beim Sauerkraut wars genauso. Furchtbar! Wie kann man nur so skrupellos die leckeren Bratkartoffeln und das Sauerkraut mit Kümmel derart verhunzenInzwischen bin ich schlauer. Der Kümmel enthält ätherische Öle, die die Verdauung anregen und viele Speisen bekömmlicher machen.
Da habe ich es mal wieder: Das, was mir nicht schmeckt, das was mir nicht passt, ist das, was die ganze Chose erst zu etwas macht, was mir gut tut. Beim Sauerkraut leuchtet es mir ziemlich schnell ein – das der Kümmel mir hilft, später keine Scherereien zu haben. Sonst im Alltag frage ich mich schon öfter, weshalb immer mal wieder irgendetwas passiert, oder irgendjemand etwas tut, was eigentlich total überflüssig und nur ärgerlich erscheint.
Da könnt ich manchmal verrückt werden – “was soll das, es könnte doch alles so schön sein… ohne… ach…” – Aber dann denke ich an den Kümmel auf meinen Bratkartoffeln. Und hoffe insgeheim… das es doch für irgendwas gut ist.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 5. November: Das Salz (Radioandachten-Reihe über Gewürze)

Guten Morgen,
in dieser Woche habe ich mich für die Radioandachten in meinem Gewürzregal umgeschaut. Das steht zum Beispiel das Salz! Genauer gesagt: Die Salze! Die große Dose zum Kochen, zwei kleine Streuer fürs Frühstücksei, daneben auch das Kräutersalz, die Salzmischung für Tomaten mit Mozzarella und seit einiger Zeit auch so eine Salzmühle mit Meersalz-Kristallen. Nicht zu vergessen: Der Beutel mit Himalaja-Salz; den haben wir mal geschenkt bekommen.So viel verschiedene Packungen, unterschiedlich in der Geschmacksrichtung und Form; auch die Verwendung ist unterschiedlich – aber letztlich ist da überall das gleiche Salz drin. Das ist einfach Natriumchlorid, würde ein Chemiker sagen, egal, wie es aussieht und wie spannend wir es in der jeweiligen Form finden; es hat immer die gleiche Funktion.
Jesus hat gesagt: Ihr Christen sind das Salz der Erde. Und wir sind auch ganz schön unterschiedlich. Da hat man eigentlich nicht den Eindruck, dass wir irgendwie alle gleich sind; gleichartig aussehen, handeln oder denken. Obwohl … irgendwie steckt wie beim Salz doch das Gleiche dahinter. Besser gesagt. Der Gleiche: Dieser Jesus, auf den wir in unserem Leben vertrauen, der uns seine Liebe schenkt und dessen Liebe wir weitergeben wollen. Das ist es, was Christen verbindet – das ist es, was uns zum notwendigen Salz dieser Erde macht.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 2. November: Der Safran (Radioandachten-Reihe über Gewürze)

Guten Morgen,
wie schon in den Tagen vorher soll es auch heute morgen um ein Gewürz gehen – diesmal um den Safran. Klein und unscheinbar seht das Döschen mit den Safranfäden im Regal. Ein Gramm Safran ist da drin, und hat doch mehr gekostet, als die Packung Pfeffer, die 30 mal mehr auf die Wage bringt.
Mit ihm zu kochen oder zu Backen empfinde ist schon als etwas Besonderes. Wenn ich für das Risotto ein paar Safranfäden aus dem flachen Döschen heraushebe – sie haben ja praktisch kein Gewicht – das hat was! Ein bisschen komme mir so vor, wie ein Juwelier, der seine Diamanten mit größer Sorgfalt mit der Pinzette und Lupe an ihren Platz befördert. Ja, ich übertreibe. Aber ich bin immer wieder fasziniert, wie gerade diese Gewürze, die wir in kleinsten Mengen verwenden, eine besondere Wirkung haben.
Im Alltag achte ich viel zu oft nur das Große und Prächtige, das Laute und Wuchtige. Das saugt unsere Aufmerksamkeit auf.
Aber beim Kochen mit Safran erlebe ich, mit wieviel Phantasie und Liebe zum Detail unser Herrgott diese Welt geschaffen hat. So dass die winzigen Blütenstempel einer kleinen Krokusblüte meinem Risotto einen besonderen Farbton verleihen.
Ja das Kleine zu schätzen.
Nicht immer nur das Große bewundern.
Daran erinnert mich mein filigranes Safrandöschen im Gewürzregal.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Andacht zum 30. Oktober: Der Lorbeer (Radioandachten-Reihe über Gewürze)

Guten Morgen,
in dieser Woche möchte ich jeden Tag über ein anderes Gewürz aus meinem Küchenregal ein paar andächtige Worte verlieren. Heute soll es der Lorbeer sein. In einer flachen kleinen Tüte liegen bei mir ein Dutzend getrocknete Lorbeerblätter. Bei uns landen sie in der Bratensoße oder im Sauerkraut. Aber gegessen werden sie nicht. Wer das Glück hat, dass er ein Lorbeerblatt in seiner Bratensoße findet, der schiebt es an den Tellerrand und ist froh dass er nicht aus Versehen draufgebissen hat.
Die römischen Feldherren anno dazumal haben ja einst Lorbeerkränze als Zeichen ihrer heldenhaften Taten verliehen bekommen. Ob sie die dann zum Kochen verwendet haben, ist allerdings nicht überliefert.
Das ist aber auch irgendwie egal. Schon ein Sprichwort sagt, dass man sich auf seinen Lorbeeren nicht ewig ausruhen kann. Beim Essen hat das Blatt sein Limit am Tellerrand erreicht, und der Lorbeerkranz unserer persönlichen Heldentaten ist auch schnell vertrocknet – wir Menschen vergessen ja so schnell. Vieles im Leben hat seinen Platz im hier und jetzt – und ist nicht für die Ewigkeit. Ein gutes Essen will ich darum ganz langsam und bewusst genießen. Und ich brauche es auch nicht fotografieren und auf Facebook teilen – denn schmeckten tu´s nur ich, und nur jetzt. Und wenn ich einmal stolz auf Erreichtes bin, will ich gerne spüren, wie die Zufriedenheit mich in diesem Moment durchströmt. – Und nicht vergessen, was mich der Lorbeer lehrt : Alles hat seine Zeit – und auch sein Ende.

Andacht zum 23. Oktober: Das Basilikum (Radioandachten-Reihe über Gewürze)

Guten Morgen!
In dieser Woche möchte in den Andachten einmal über die verschiedenen Kräuter und Gewürze in unserer Küche reden. Jeden Tag ein anderes – und mit dem Basilikum fange ich heute an. Das gehört zu den Kräutern, die bei uns daheim sehr oft im Einsatz sind. Am liebsten auf Tomaten mit Mozzarella. Ein paar Tropfen Olivenöl, etwas Balsamicoessig – da wird es in Franken ganz italienisch. Dank des Basilikums.
Und wenn ich dann beim Genießen dieser Tomaten an den letzten Italienurlaub denke, dann fällt mir eine alte Kirche ein, die ich dort angeschaut habe. Eine richtig schöne Basilika.
Moment: Basilikum und Basilika? Das klingt nicht nur gleich, das hat auch etwas miteinander zu tun! Basilikum ist nämlich das Königskraut; die Basilika die Königshalle. Denn als Christen anfingen, Kirchen zu bauen, haben sie sich bei der Form an der Basilika, an der Königshalle, orientiert. Aber vorne, wo in einer Wölbung das Standbild des Königs oder Kaisers stand, da stellten sie den Altar und das Kreuz hin. Eine klare Botschaft: „Bei uns ist nicht der Kaiser, sondern Gott die höchste Instanz.“ Das war damals mutig und hat den ersten Christen viel Ärger beschert.
Aber der Gedanke, dass politische Macht seine Grenzen hat, dass unser Glauben und unser Gewissen größeres Gewicht haben als die Launen der Herrscher – dieser Gedanke ist immer noch lebendig.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen