Andacht zum 30. Oktober: Der Lorbeer (Radioandachten-Reihe über Gewürze)

Guten Morgen,
in dieser Woche möchte ich jeden Tag über ein anderes Gewürz aus meinem Küchenregal ein paar andächtige Worte verlieren. Heute soll es der Lorbeer sein. In einer flachen kleinen Tüte liegen bei mir ein Dutzend getrocknete Lorbeerblätter. Bei uns landen sie in der Bratensoße oder im Sauerkraut. Aber gegessen werden sie nicht. Wer das Glück hat, dass er ein Lorbeerblatt in seiner Bratensoße findet, der schiebt es an den Tellerrand und ist froh dass er nicht aus Versehen draufgebissen hat.
Die römischen Feldherren anno dazumal haben ja einst Lorbeerkränze als Zeichen ihrer heldenhaften Taten verliehen bekommen. Ob sie die dann zum Kochen verwendet haben, ist allerdings nicht überliefert.
Das ist aber auch irgendwie egal. Schon ein Sprichwort sagt, dass man sich auf seinen Lorbeeren nicht ewig ausruhen kann. Beim Essen hat das Blatt sein Limit am Tellerrand erreicht, und der Lorbeerkranz unserer persönlichen Heldentaten ist auch schnell vertrocknet – wir Menschen vergessen ja so schnell. Vieles im Leben hat seinen Platz im hier und jetzt – und ist nicht für die Ewigkeit. Ein gutes Essen will ich darum ganz langsam und bewusst genießen. Und ich brauche es auch nicht fotografieren und auf Facebook teilen – denn schmeckten tu´s nur ich, und nur jetzt. Und wenn ich einmal stolz auf Erreichtes bin, will ich gerne spüren, wie die Zufriedenheit mich in diesem Moment durchströmt. – Und nicht vergessen, was mich der Lorbeer lehrt : Alles hat seine Zeit – und auch sein Ende.

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