Andacht zum 22. Juli 2017: Wohnung Gottes

Guten Morgen
Wenn wir von unseren Kirchen reden, sagen wir auch gerne: Gotteshaus oder Wohnung Gottes. Obwohl wir ja ahnen, dass sich dieser unsichtbare Gott nicht so einfach auf ein bestimmtes Gebäude festlegen lässt.
Und das ist eigentlich schon immer so gewesen. Den ersten Tempel, der in der Bibel beschrieben wird, hatte König Salomo gebaut. Und schon bei der Einweihung dieses Gotteshauses fragte sich der König nachdenklich: „Wie soll dieses Gebäude Gott fassen, wenn er größer ist, als diese ganze Welt?“
Na toll! Wozu dann überhaupt der ganze Aufwand, die Kosten und Mühen für so ein prächtiges Gotteshaus?
Ganz einfach: Weil wir manchmal einen Ort brauchen, an dem wir uns in besonderer Weise mit Gott verbunden fühlen. Einen Raum, der angefüllt ist mit der Atmosphäre des Glaubens. Ein Gebäude, das mich verbindet mit den Anderen, die den gleichen Glauben haben. Wo Menschen ihren Gott gelobt, ihm gedankt oder ihr Leid geklagt haben – durch die Jahrhunderte hindurch.
Dann wohnt Gott für mich doch irgendwie in diesem Haus – weil ich ihn da ganz besonders intensiv spüre.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 15. Juli 2017: Inneres Navigationssystem

Guten Morgen
Am Wochenende hatten viele Leute im Hamburg Probleme mit ihrem Navigationssystem im Auto. Denn wegen des G20-Gipfels wurde das GPS-Signal dort durch Sicherheitsbehörden gestört. Plötzlich mussten sich die Leute wieder auf ihr natürliches Orientierungsvermögen verlassen, und auf einen Stadtplan.
Und das ist gar nicht so einfach, wenn man es inzwischen gar nicht mehr gewohnt ist, selbsständig zu überlegen, welcher Weg jetzt der richtige ist.
Ich habe das Gefühl, dass wir es auch im übertragenen Sinn immer mehr verlernen, uns selbstständig für den richtigen Weg zu entscheiden.
Weil es ja so viele Regeln und Ratgeber gibt. So vieles wird uns als „richtig“ und „notwendig“ nahegelegt. So oft heißt es: „das machen alle so“, also muss es richtig sein.
Da wünsche ich mir, öfter das alles hinter mir zu lassen, und meinen Weg zu gehen. Das zu tun, was mir mein Gewissen und mein Glaube sagt. Nicht, weil ichs unbedingt besser weiß, aber weil ich es nicht verlernen will, selbstständig durchs Leben zu navigieren.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 8. Juli 2017: Gönnen können

„Egal ob die Leute groß oder klein sind: Die Zahnschmerzen sind immer die gleichen!“ Vor einer Woche habe ich dieses Sprichwort zum ersten Mal gehört und es hat mir auf Anhieb gefallen.
Es macht mir wieder mal bewusst: Die, die ein bisschen reicher, schöner, beachteter oder auch nur ein paar Zentimeter größer sind als ich – die haben deshalb nicht automatisch ein besseres Leben.
Nicht bloß die Zahnschmerzen sind bei denen die gleichen – wahrscheinlich ist „verliebt sein“ bei denen auch nicht toller als bei mir.
Es gibt also gar nicht so viele Gründe, auf die Anderen neidisch zu sein.
Eher umgekehrt: Es gibt ganz viele Gründe, nicht neidisch zu sein. Schon allein deshalb, weil Neid im Leben so viel zerstören kann. „Du sollst nicht begehren, was deinem Nächsten gehört: Weder sein Haus, noch seine Frau“ – das steht schon in den Zehn Geboten. Also: Gönnen Sie!
Gönnen sie dem Anderen, sein Glück – und gönnen Sie sich selbst einen Tag ohne Neidgefühle!

Andacht zum 27. Mai 2017: Das Z klemmt

Guten Morgen,
an meinem Laptop klemmt neuerdings der Buchstabe Z. Mal geht die Taste, mal geht sie nicht.
Na gut, ich habe ja noch die anderen 85 Tasten. Und überhaupt: Das Z ist ein Buchstabe, der gar nicht so oft auftaucht. Das E wird 15 mal öfter gebraucht. Genauer gesagt: Nur 1% der Buchstaben in einem Text ist ein Z. Auf dieses eine Prozent kann man ja auch pfeifen!
Nein! Kann ich eben nicht! Denn jetzt stehen in meinen Texten neuerdings so Worte wie Verögerung, Anahlung und prinipiell.Ohne dieses eine Prozent Z ist alles nichts! Ohne das eine Prozent Z kann ich meinen Brief niemanden schicken. Die würden sagen, das hat ein schlechter Grundschüler getippt.
Da erkenne ich, dass mir Zahlen und Statistiken oft nichts über die wirkliche Welt sagen. Weil da jeder kleine Buchstabe zählt. Jedes kleine Kind ist wichtig. Jeder der scheinbar am Rand unserer Gesellschaft steht, gehört dazu.
Diejenigen in unserer Welt, die das kleine Prozent bilden… die sind ein fester Teil des großen Ganzen … die können wir nicht ignorieren oder abschreiben – sonst wären wir nicht mehr die, die wir eigentlich sind.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 20. Mai 2017: WLAN ist nicht die Lösung

Wwwwwupp – so ähnlich hat es sich angehört, als der Aufzug stecken geblieben ist, in dem Freddi gerade stand. Nicht bewegte sich mehr. Es war Sonntag, und so dauerte es längere Zeit, bis ihn der Kundendienst aus seiner Aufzug-Kabine befreite.
Als er mir das am Tag darauf erzählt, habe ich gar nicht den Eindrick, das ihn dieses Erlebnis das allzu sehr zu schaffen gemacht hat. Da sagt er mir: „War gar nicht so schlimm, in Aufzug gab es ja WLAN! Da habe ich ein wenig auf dem Handy gezockt.“
Ja, wenn das WLAN da ist, dann ist alles gut!
Früher haben Menschen in Krisenzeiten zu Gott gebetet, versucht aus dem Glauben Hoffnung zu schöpfen. Heute reicht ein WLAN – das ist anscheinend die Zukunft.
Ich glaube: WLAN ist nicht die Lösung! Nicht jede Lebenssituation lässt sich mit Ablenkung, Whatsapp und Spotify wegdaddeln. Irgendwann holt mich die analoge Welt mit all ihren Herausforderungen ein.
Da bin ich dann doch froh, dass ich aus meinem Glauben Mut, Zuversicht und Hoffnung schöpfen kann, und nicht nur auf´s WLAN angewiesen bin.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 13. Mai 2017: Aufgewärmtes

Guten Morgen!
Wenn wir am Sonntagmittag es mal wieder nicht schaffen alle Klöß und den Braten komplett zu verputzen – dann gibt’s den nochmal am Montag. Meistens noch mit ein paar Nudeln dazu. Das liebe ich.
Wenn es dann allerdings auch noch am Dienstag und Mittwoch aufgewärmten Braten gibt, vielleicht mit Schupfnudeln oder Bratkartoffeln – dann spiele ich nicht mehr mit.
Neee, das mit dem Aufwärmen kann man auch übertreiben. Irgendwann wird einem von dem alten Zeug nur noch schlecht.
Genauso geht’s mir mit alten Geschichten. Wenn die immer wieder aufgewärmt und einem aufs Brot geschmiert werden „schließlich hat du damals … bla bla bla…“
Muss man das immer wieder aufwärmen? Die alten Stories und Fehler?
Es bringt doch nichts, das den andern andauernd unter die Nase zu halten. Das tut doch keinem gut! Weg damit!
Wer anderen vergeben kann, der erlebt, wie befreiend das ist:
Wenn die alten Geschichten nicht mehr herumschimmeln und das Klima vergiften und man wieder frei atmen kann!
Ja: Wer vergibt, der schenkt nicht nur dem Anderen – sondern vor allem sich selber einen neuen Anfang.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 9. Mai 2017: Kollegen als Geschenk des Himmels

Guten Morgen
Alles war vorbereitet. Die Konfirmation, das große Fest in unserem Dorf, konnte steigen. Die Feier, auf die alle lange hingefiebert haben.
Und am Abend vorher fange ich auch zu fiebern an. 40 Grad! Ich bin nur noch ein Häuchen Elend im Bett – es ist deutlich: Morgen wird’s nichts mit mir als Pfarrer. Der absolute Alptraum! – Ich kann die Konfirmation doch nicht absagen…
Abends um 10 fange ich an, meine Kollegen und Kolleginnen anzurufen, vielleicht gibt’s ja jemanden, der morgen früh nicht selber einen Gottesdienst hält.
Tatsächlich: Claudia hätte morgen frei. Sie zögert keinen Moment: „Ok, ich übernehme es, schick mir deine Texte per mail – das wird schon!“
Solche Kollegen sind ein Geschenk des Himmels!
Fast wie Engel.
Ich habe zwei Sachen draus gelernt:
Ich will meinem Gott von Herzen dankbar sein, für Menschen, die spontan für andere da sind, wenn sie Hilfe brauchen.
Und wenn mich mal einer um Hilfe bittet, will ich auch nicht lange überlegen, bevor ich sage. „Mach die keine Sorgen, ich helfe dir, das wird schon“
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 6. Mai 2017: Anti-Diät-Tag

Guten Morgen,
heute am 6. Mai ist der Internationale „Anti-Diät-Tag”. Gegründet wurde er von Mary Evans Young, nachdem sie ihre Magersucht überwunden hatte.
Sie kämpft mit diesem Tag nicht nur gegen den Schlanheitswahn.
Sie wirbt vor allem für etwas: Dass wir die Schönheit der Menschen mit all ihren vielfältigen natürlichen Größen- und Gewichtsunterschieden entdecken.
Es ist schön, dass du genau die Körperform hast, in der du herumläufst.
Du, mit all deinen üppigen Rundungen, du bist ein schöner Mensch, der das Leben genießen kann.
Und bei dir, dünner Hering, hat Gott es gut gefunden, dass du dir beim Treppensteigen leichter tust.
Es ist schön, dass der eine ein bisschen größer ist – und der andere ein bisschen breiter ist.
In einen Psalm der Bibel hat jemand geschrieben: „Gott, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich!”
Diesen Satz müsste man jedem Menschen mit in die Wiege legen und über den Spiegel schreiben..
Gott hat dich einzigartig gemacht – und dazu gehören auch deine Körperformen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Andacht zum 1. Mai 2017: Tag der Arbeit

Guten Morgen,
wir haben heute den Tag der Arbeit. Und das schöne daran: Die meisten müssen heute nicht arbeiten. Für uns Pfarrer ist das sogar einer der wenigen Feiertage, an denen wir auch frei haben – denn der erste Mai ist ja kein klassischer kirchlicher Feiertag.
Ich mach heute mal nix. Und ich werde das auch mal genießen!
Aber ich ahne es schon: So richtig lang halte ich das „nichts machen“ nicht aus. Irgendwie fällt mir dann schon etwas ein, was ich noch machen könnte, und wenn es der Wasserwechsel am Aquarium ist.
Luther hat einmal gesagt: Die Arbeit gehört zum Menschen wie zum Vogel das Fliegen!
Etwas tun, was sinnvoll scheint.
Erleben, dass etwas durch mich entsteht oder sich verändert.
Und machmal darunter leiden, dass die ganze Arbeit und Mühe grade aus irgend einem Grund für die Katz war.
Das ist Arbeit – egal, ob man dafür bezahlt wird oder nicht.
Ich glaube darauf sind wir programmiert – eben, wie der Vogel zum fliegen gemacht ist.
So ist es heute für mich ein Tag, an dem man dankbar sein kann, wenn man etwas zu tun hat, was man gerne macht.
Einen guten ersten Mai wünsche ich Ihnen

Andacht zum 29. April 2017: Die Ruhe des Rotweins

Ich bin zum Abendessen eingeladen und bringe einem Freund, einem Weinliebhaber, als Gastgeschenk natürlich eine richtig gute Flasche Rotwein mit. Was hab ich gebraucht, bis ich da was passendes gefunden habe.
Er freut sich riesig, aber aufmachen und jetzt gleich trinken … daraus wird nichts. Mein Gastgeber erklärt: „Der Wein muss jetzt erst mal einige Tage wieder ruhig liegen … der braucht nach dem Transport jetzt erst mal Ruhe. Nur so kommen seine Aromen wieder ins Gleichgewicht.
So ein Wein hats gut, den stresst keiner ! Und wenns mal ein bischen gerumpelt hat, dann kommt gleich der Fachmann und sagt: „Gemach gemach … der braucht jetzt erstmal ein bischen Ruhe.“ – Ich bin da glatt neidisch geworden.
Warum gönne ich mir das nicht selbst öfter? Nach den Trubel des Tages: abschalten … den Fernseher ausmachen…ein Buch lesen …den Tag bedenken…oder auch mal gar nichts tun. Wie so ein Rotwein: Einfach Stille erleben und wieder ins Gleichgewicht kommen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen