Andacht zum 3. April 2018: Laura lebt

Guten Morgen,
kürzlich habe ich Laura kennengelernt. Ein ganz aufgewecktes Kindergartenkind. Eine echte Qasselstrippe, die halt alles ganz genau wissen will. Erst nach einiger Zeit fiel mir auf, dass sie sich mit dem Laufen etwas schwer tat. Und dann entdecke ich, dass ihre süßen roten Stiefelchen nicht ohne Grund einen etwas höheren Schaft haben – der soll dafür sorgen, dass Lauras Beine einen besseren Halt in den Schuhen haben.
Und dann höre ich ihre Geschichte: Was der Arzt den Eltern damals im ersten Schwangerschaftsdrittel mit ernstem Gesichtsausdruck eröffnet hat: Da stimmt etwas nicht, da ist eine Fehlbildung an der Wirbelsäule – das Baby wird mit einer Behinderung zur Welt kommen. Kann gut sein, dass sie im Rollstuhl sitzen wird und ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen sein wird. Wollen sie das? Man könnte die Schwangerschaft jetzt noch abbrechen. Und die Eltern haben lange überlegt, und das war schwer für sie. Aber sie haben sich für Laura entschieden. Damit auch für die Probleme, die sie erwarten, für eventuelle Operationen, für die mitleidigen Blicke der anderen.
Sie hatten den Mut – und er wurde belohnt: mit dieser wunderbaren kleinen Tochter – die eigentlich fast alles kann.
Nur eines wird ihr bestimmt ein Leben lang ein Rätsel bleiben – weshalb vor vielen Jahren einmal Erwachsene ernsthaft überlegt haben – ob es gute Idee ist, dass sie überhaupt geboren wird.

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