Andacht zum 3. Oktober 2017: Tag der deutschen Einheit

Guten Morgen, heute am Tag der deutschen Einheit.
Ich hatte zum Thema Ost-West noch nie derart gemischte Gefühle wie jetzt. Ist Sachsen mir jetzt fremder als vor dem Mauerfall?
Aber dann denke ich an meine Kindheit und Jugend. Ich bin buchstäblich am Grenzzaun großgeworden. Jeden Tag habe ich sie gesehen: Die Mauern, die Wachtürme, die Seile der Selbstschussanlagen. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn einen nachts die Explosion einer Mine im Todesstreifen aus dem Schlaf reißt – und du überlegst, ob da jetzt ein Reh oder ein Mensch zerrissen worden ist … mitten in Deutschland.
Nun gibt es – Gott sei Dank – kein Regime mehr, dass uns mit Gewalt auseinander hält. Jetzt sind es wir selber, die wieder unsichtbare Grenzen aufbauen – oder auch versuchen zu überwinden.
Helmut Kohl hat 1989 gesagt: „Ohne die Hilfe Gottes hätten wir es nicht geschafft”.
Und ich glaube, heute brauchen wir auch Gottes Hilfe, damit wir nicht wieder ein geteiltes Deutschland bekommen. Die Hilfe eines Gottes, der von Liebe, Barmherzigkeit und der Bereitschaft zu vergeben spricht.
Einen guten Tag der deutschen Einheit wünsche ich Ihnen