Andacht zum 18. März 2017: Kirchenknigge – Trauerzug

Guten Morgen,
draußen in den fränkischen Dörfern gibt manche Bräuche, die in Nürnberg oder Fürth fast ausgestorben sind. Wenn zum Beispiel jemand daheim gestorben ist, begleiten die Angehörigen, Nachbarn und Freunde den Sarg zu Fuß vom Haus bis zum Friedhof. Dieser Trauerzug schlängelt sich dann durch die Straßen und bildet naturgemäß ein Verkehrshindernis.
Und manche überholen mit Vollgas, ohne Rücksicht auf irgendwas. Tun so, als wären die Trauernden gar nicht da. Ja – Deppen gibt’s immer.
Aber viele halten an, machen ihren Motor aus und warten die paar Minuten. Weil sie spüren: Der Trauerzug ist immer auch eine Botschaft:
Du kannst der Nächste sein, den sie in der Holzkiste durch die Straße tragen. Oder der Mensch, der dir am wichtigsten ist. Du hast es nicht in der Hand.
Am Trauerzug anzuhalten, Motor und Radio auszuschalten – das ist nicht nur eine Frage des Anstands. Es ist auch eine Gelegenheit: Dankbar zu sein dass man selbst noch lebt. Und dann ein bisschen bewusster und auch achtsamer seinen Weg fortzusetzen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 14. März 2017: Kirchenknigge – Rechen oder schweigen

Guten Morgen,
Auch heute geht’s wie in der ganzen Woche kurz vor sechs um die Benimm-Regeln in der Kirche.
Kennen Sie das auch: Da gehst du am Sonntag in die Kirche, setzt dich hin, wartet drauf dass es losgeht, und überall wird gequasselt! Vom Ausflug letzte Woche und von den Planungen für den heutigen Nachmittag wird erzählt, man tauscht sich drüber aus, was man in der Zeitung gelesen hat, und was ist mit Elfriede, ist die eigentlich immer noch im Krankenhaus?
Manchen geht so etwas fuchtbar auf die Nerven – weil sie ja gerne vor dem Gottesdienst ein bisschen innerlich zu Ruhe kommen möchten. Ausschnaufen, weils daheim grade noch ziemlich stressig oder auch konfliktgeladen zugegangen ist.
Gibt’s da keine Regel – im Kirchen-Knigge? Wie macht man es richtig? Reden oder Schweigen?
Ich bin mir selber nicht sicher! Ist es nicht wunderbar, wenn die Menschen sich in der Kirche begegnen, sich als Gemeinschaft verstehen und natürlich austauschen über das, was sie bewegt?
Und zugleich verstehe ich auch Menschen, sie es gerne ruhiger hätten.
Ja, es gibt nicht für alles die passende Regel.
Manchmal muss man damit leben, dass in der Kirche sehr unterschiedliche Menschen mit ganz verschiedenen Bedürfnissen ihre Platz haben.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 11. März 2017: Kirchenknigge: Hut ab!

Guten Morgen,
auch heute morgen habe ich einen Tipp aus dem Kirchenknigge parat; den ungeschriebenen Do´s an Dont´s im Gotteshaus.
Mit den Kopfbedeckungen ist das nämlich ein bisschen komisch: Denn in der Kirche gilt Folgendes: Frauen dürfen etwas auf dem Kopf tragen, Männer nicht.
Das hat seinen Grund in einer alten Regel, die der Apostel Paulus einmal aufgestellt hat, und die so in der Bibel steht. Darin spiegeln sich offenbar die Geschlechterrollen in der damaligen Gesellschaft. Vo daher leuchtet mir das heute eigentlich nicht mehr so ein.
Aber naja: Wenn ich mir manche Konfirmanden anschaue, bei denen es total wichtig ist eine coole Baseball-Kappe von der angesagten Marke aufzuhaben – so, dass sie fast schon festwächst – dann ist es nicht verkehrt, in der Kirche das Ding abzunehmen: Weil Gott mich anschaut, wie ich bin. Den interessiert keine gekaufte Coolness auf dem Kopf, genausowenig, wie er danach fragt, ob ich Anzug oder Schlabberlook trage. Vor Gott soll ich so sein, wie ich wirklich bin – ihm kann … ihm brauche ich nichts vormachen.
Darum Hut ab vor diesem Gott, der sich für mich interessiert, und nicht für meine Fassade.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 7. März 2017: Kirchenknigge: Das Handy

Guten Morgen,
in dieser Woche möchte ich ihnen kurz vor sechs auf Charivari ein paar Benimmregeln rund um die Kirche nahebringen. Eine Art Kirchen-Knigge sozusagen.
Ich fang gleich mal mit dem Handy an. Es gibt ja nichts Blöderes, als wenn während des stillen Gedenkens bei einer Beerdigung plötzlich ein Handy mit „Highway to hell“ als Klingelton bimmelt. Wenn, dann würde ich mir „knocking on heavens door“ wünschen. Aber weil die meisten Klingel- und Message-Töne und auch das Gesumme der Vibration einfach nur nerven, wäre mein Tipp: Gewöhnen sie sich ein festes Ritual an: Wenn sie eine Kirche betreten, Handy einfach stummschalten, und gut isses.
Dann haben alle ihre Ruhe. – Nicht nur die Anderen, SIE auch! Mal eine Stunde zwischen diesen jahrhundertealten Mauern sitzen – ein bisschen Ewigkeit spüren – sich nicht von einen dutzend Whatsapp-Nachrichten drängeln lassen – einfach da sein. – Das ist das Schöne an Kirchen.
In der Erlanger Hugenottenkirche habe ich mal ein schönes Schild im Eingangsbereich gesehen: „Handy, bitte ausschalten. Wir sprechen mit unserem Gott noch auf die althergebrachte Weise.“
Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 4. März 2017: Das Buch meiner Tage

Guten Morgen
Weiß Gott eigentlich schon vorher, was ich heute tun werde? Ist schon von Anfang an vorherbestimmt, was mir im Leben passiert und wann ich sterbe?
Es gibt Leute, die sind überzeugt, dass alles so kommen musste, wie es gekommen ist. Und in der Bibel lese ich auch, dass Gott mich schon im Bauch meiner Mutter gesehen hat und alle meine Tage in einem Buch niedergeschrieben seien.
Ist deshalb schon alles entschieden?
Bestimmt nicht, denn sonst würde nicht an der gleichen Stelle der Wunsch stehen, dass Gott uns hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Was in diesem Buch wohl drinsteht? Vielleicht sind es ja die Aufgaben, und Herausforderungen, die mir bestimmt sind, oder bestimmte Begegnungen, die mein Leben prägen sollen.
Ich weiß es nicht – aber es tut mir gut, zu vertrauen, dass sich Gott von Anfang an Gedanken über mein Leben gemacht hat. Dass ein Sinn hinter dem steht, was mir manchmal unverständlich und sinnlos erscheint.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 28. Februar 2017: Von den Narben erzählen

Guten Morgen
es gibt ja Menschen, die erzählen von ihren Narben wie andere von abenteuerlichen Urlaubreisen:
Hier ist mein Daumen in die Walze einer Maschine geraten. Fast wäre er ganz weg gewesen.
Sofort kommt die Antwort: Das ist ja gar nichts, Schau hier mein Schienbein: 10 Zentimeter! Die habe ich mir beim Holzhacken geholt. Bis auf den Knochen was das offen!
Ich wills gar nicht hören – denn von den anderen Narben erzählt nämlich keiner: Von den Narben auf der Seele, von den Verletzungen, die immer noch weh tun, von Sorgen, die dauerhaft das Herz einengen.
Damit kann man ja auch nicht angeben. Da kriegt man höchstens mitleidige Blicke. Also hält man lieber den Mund.
Schade eigentlich – ich würde es mir andersherum wünschen:
Ein bisschen Mitleid, wenn einer den Ärmel hochkrempelt um die Narben seiner Tatto-Entferung zu präsentieren.
Aber ganz viel Respekt für den, der sich traut von den schmerhaften Erfahrungen seiner Kindheit zu erzählen. Respekt, Mitfühlen und den Mut, auch mal die Stille auszuhalten, weil man als Zuhörer keine passenden Worte findet. Das wünsche ich mir, weil ich überzeugt bin, dass dieses Hinhören mit Mitfühlen auch beim Heilen solcher alten Wunden hilft.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 25. Februar 2017: Cowboy für einen Tag

Guten Morgen,
im Fasching war ich in meiner Kinderzeit meistens ein Indianer. Das hat meine Mama entschieden. Dabei wäre ich viel lieber ein Cowboy gewesen: Mutig, mit einer Pistole, der mit seinem Cowboyhut total cool durch den Festsaal beim Kinderfasching schlurft. Einer, der mal auf den Tisch haut, und seinen Willen durchsetzt. Das wär ich gerne mal gewesen – nicht so ein friedlicher weichgespülter Indianer.
Manche sagen ja: Faschingsverkleidungen spiegeln unsere unterdrückten Sehnsüchte wieder. Das, was wir uns im täglichen Leben nicht trauen, das kriecht dann im Fasching an die Oberfläche.
Aber ist das nicht eigentlich blöd? Warum wage ich es nicht im echten Leben, einmal diese unterdrückte Rolle auzuleben? Mal ein bisschen mehr starker Cowboy? Ein bisschen mehr versträumte Prinzessin, oder irrational handelner Clown.
Man kanns ja mal versuchen. Nachher ist man jedenfalls schlauer. Ich für meinen Teil habe gelernt: Als großspuriger Cowboy fühle ich mich wie ein Idiot. Ich bin doch ein Indianer – das hat meine Mama damals schon richtig erkannt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 18. Februar 2017: Blind!

Guten Morgen,
zielstrebig geht er mitten durch das größte Gewusel im U-Bahn Verteiler am Hauptbahnhof. Ich gehe hinter ihm her, er umkurvt eine Gruppe von Jugendlichen, die da herumsteht und weicht der langam fahrenden Bodenreinigungsmaschine aus. Wenn er nicht den weißen Stock in der Hand, hätte, wäre ich nie darauf gekommen, dass er blind ist. Und selbst diesen Stock scheint er kaum zu benötigen: Er hört genau hin, ortet Gespräche, erlauscht Motorengeräusche und achtet auf den Hall seiner Schritte, weil er dadurch Hindernisse erkennt.
Nur nur den Deppen, der von halb-rechts in ihn reindonnert, weil er auf sein Smartphone glotzt, den hatte er nicht auf dem Radar.
Ein Blinder, der eigentlich sieht und ein Sehender, der eigentlich blind ist, prallen hier buchstäblich aufeinander.
Den einen habe ich an diesem Vormittag bewundert – wie er mit seinen verbleibenden Sinnen hellwach seine Umwelt wahrnimmt.
Und den anderen? Den Smartphone-Kasper? Den hätte ich ja gerne verflucht und beschimpft … wenn ich nicht gespürt hätte, das ich selbst auch viel zu oft blind bin, für das alles, was um mich herum geschieht.
Darum halten Sie heute Ihre Augen offen!

Andacht zum 14. Februar 2017: Glaube – Liebe – Hoffnung

Glaube, Hoffnung, Liebe, seit Jahrhunderten fasst man damit zusammen, was den christlichen Glauben ausmacht. Seit meiner Kindheit kenne ich die Begriffe – und fand sie ehrlich gesagt alles andere als spannend. Glaube, Hoffnung, Liebe lagen wie ererbte Porzellanskulpturen im Regal meines Denkens. Die waren schon immer da, wertvoll, aber auch irgendwie logisch und selbstverständlich und deshalb kaum der Rede wert.
Seit einiger Zeit sehe ich das anders. Weil ich das Gefühl habe, dass mir da jemand diese drei Schätze klammheimlich stehlen und gegen andere Werte austauschen will.
Da will jemand Angst vor der Zukunft machen, statt Hoffnung stiften. Da versucht jemand, Hass zu säen statt Liebe und Versöhnung zu leben. Da will jemand Zweifel statt Glaube und Vertrauen.
Da spiele ich nicht mit! Glaube, Liebe Hoffnung – Diese drei haben Zukunft! Die lasse ich mir nicht nehmen! Die stehen nicht ohne Grund in der Bibel.
Und plötzlich sind die gar nicht mehr langweilig und erst recht nicht selbstverständlich – und ich ich bin bereit, mich dafür einzusetzen: Zu kämpfen, für Glaube, Liebe, Hoffnung.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 10. Februar 2017: Tag der Kinderhospizarbeit

Guten Morgen,
heute ist der bundesweite Tag der Kinderhospiz-Arbeit. Eine Arbeit, die hauptsächlich von Ehrenamtlichen getragen wird. Menschen, die für andere da sind, wenn das Schlimmste passiert, was sich Eltern vorstellen können: Dass das eigene Kind unheilbar krank ist, und man weiß: Es wird nur noch begrenzte Zeit leben können.
Da braucht es dann nämlich nicht nur ausgezeichnete Ärzte. Dann werden Menschen benötigt, die Zeit haben: Zum Spielen mit den Kindern, zum Zuhören, für Besorgungen um den Eltern den Rücken freizuhalten. Aber auch Leute, die den Papierkrieg mit den Krankenkassen und Behörden bewältigen, und Menschen, die in den Wochen nach dem Tod des Kindes die Eltern nicht alleine lassen.
Es ist ein Geschenk das Himmels, dass es diese Menschen gibt, die ihre Freizeit dafür nutzen. Die da ihre Energie einsetzen, manche Träne vergießen; aber auch spüren, welche Kraft darin steckt, wenn man Menschen auf diesem Weg begleitet.
All denen sage ich heute von Herzen: Dankeschön