Andacht zum 28. Februar 2017: Von den Narben erzählen

Guten Morgen
es gibt ja Menschen, die erzählen von ihren Narben wie andere von abenteuerlichen Urlaubreisen:
Hier ist mein Daumen in die Walze einer Maschine geraten. Fast wäre er ganz weg gewesen.
Sofort kommt die Antwort: Das ist ja gar nichts, Schau hier mein Schienbein: 10 Zentimeter! Die habe ich mir beim Holzhacken geholt. Bis auf den Knochen was das offen!
Ich wills gar nicht hören – denn von den anderen Narben erzählt nämlich keiner: Von den Narben auf der Seele, von den Verletzungen, die immer noch weh tun, von Sorgen, die dauerhaft das Herz einengen.
Damit kann man ja auch nicht angeben. Da kriegt man höchstens mitleidige Blicke. Also hält man lieber den Mund.
Schade eigentlich – ich würde es mir andersherum wünschen:
Ein bisschen Mitleid, wenn einer den Ärmel hochkrempelt um die Narben seiner Tatto-Entferung zu präsentieren.
Aber ganz viel Respekt für den, der sich traut von den schmerhaften Erfahrungen seiner Kindheit zu erzählen. Respekt, Mitfühlen und den Mut, auch mal die Stille auszuhalten, weil man als Zuhörer keine passenden Worte findet. Das wünsche ich mir, weil ich überzeugt bin, dass dieses Hinhören mit Mitfühlen auch beim Heilen solcher alten Wunden hilft.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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