Andacht zum 23. November 2019: Kastanien und Auferstehung (Andachtenreihe „Kastanien“)

Wenn man das erste Mal erlebt, wie Alex die Kastanienbäume in städtischen Friedhof stutzt, dem muss das Herz bluten. Alle paar Jahre greift er zur Motorsäge und säbelt buchstäblich alles weg. Was übrig bleibt, ist der Stamm mit zwei oder drei dicken kurzen Aststümpfen. Alex, hab ich damals gedacht: Du hast diese Bäume gekillt – die sind erledigt! Wo soll denn dann nochmal ein grüner Zweig wachsen?
Aber dann, im Frühjahr – es ist der Wahnsinn – da treiben diese toten knorrigen Stummel aus, als gäbs kein Morgen. Und Mitte Mai blühen sie, dass es eine wahre Pracht ist. Irgendwie scheinen sie mich darüber auszulachen, dass ich sie im Herbst für tot erklärt habe.
Seitdem verstehe ich, weshalb der Kastanienbaum auf dem Friedhof ein altes Symbol für die Auferstehung von den Toten ist. Wo ich denke: „Das ist vorbei“ Wo ich einem Sarg traurig ein paar Blümchen hinterher werfe, da winkt der Kastanienbaum zu mir herüber: Warte nur, sagt er … es kommt der Tag, an dem auch diesem Toten hier ein neues Leben geschenkt wird. Auch wenn du es dir momentan beim besten Willen nicht vorstellen magst.

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