Andacht zum 18. Februar 2017: Blind!

Guten Morgen,
zielstrebig geht er mitten durch das größte Gewusel im U-Bahn Verteiler am Hauptbahnhof. Ich gehe hinter ihm her, er umkurvt eine Gruppe von Jugendlichen, die da herumsteht und weicht der langam fahrenden Bodenreinigungsmaschine aus. Wenn er nicht den weißen Stock in der Hand, hätte, wäre ich nie darauf gekommen, dass er blind ist. Und selbst diesen Stock scheint er kaum zu benötigen: Er hört genau hin, ortet Gespräche, erlauscht Motorengeräusche und achtet auf den Hall seiner Schritte, weil er dadurch Hindernisse erkennt.
Nur nur den Deppen, der von halb-rechts in ihn reindonnert, weil er auf sein Smartphone glotzt, den hatte er nicht auf dem Radar.
Ein Blinder, der eigentlich sieht und ein Sehender, der eigentlich blind ist, prallen hier buchstäblich aufeinander.
Den einen habe ich an diesem Vormittag bewundert – wie er mit seinen verbleibenden Sinnen hellwach seine Umwelt wahrnimmt.
Und den anderen? Den Smartphone-Kasper? Den hätte ich ja gerne verflucht und beschimpft … wenn ich nicht gespürt hätte, das ich selbst auch viel zu oft blind bin, für das alles, was um mich herum geschieht.
Darum halten Sie heute Ihre Augen offen!

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