Andacht zum 30. Oktober: Der Lorbeer (Radioandachten-Reihe über Gewürze)

Guten Morgen,
in dieser Woche möchte ich jeden Tag über ein anderes Gewürz aus meinem Küchenregal ein paar andächtige Worte verlieren. Heute soll es der Lorbeer sein. In einer flachen kleinen Tüte liegen bei mir ein Dutzend getrocknete Lorbeerblätter. Bei uns landen sie in der Bratensoße oder im Sauerkraut. Aber gegessen werden sie nicht. Wer das Glück hat, dass er ein Lorbeerblatt in seiner Bratensoße findet, der schiebt es an den Tellerrand und ist froh dass er nicht aus Versehen draufgebissen hat.
Die römischen Feldherren anno dazumal haben ja einst Lorbeerkränze als Zeichen ihrer heldenhaften Taten verliehen bekommen. Ob sie die dann zum Kochen verwendet haben, ist allerdings nicht überliefert.
Das ist aber auch irgendwie egal. Schon ein Sprichwort sagt, dass man sich auf seinen Lorbeeren nicht ewig ausruhen kann. Beim Essen hat das Blatt sein Limit am Tellerrand erreicht, und der Lorbeerkranz unserer persönlichen Heldentaten ist auch schnell vertrocknet – wir Menschen vergessen ja so schnell. Vieles im Leben hat seinen Platz im hier und jetzt – und ist nicht für die Ewigkeit. Ein gutes Essen will ich darum ganz langsam und bewusst genießen. Und ich brauche es auch nicht fotografieren und auf Facebook teilen – denn schmeckten tu´s nur ich, und nur jetzt. Und wenn ich einmal stolz auf Erreichtes bin, will ich gerne spüren, wie die Zufriedenheit mich in diesem Moment durchströmt. – Und nicht vergessen, was mich der Lorbeer lehrt : Alles hat seine Zeit – und auch sein Ende.

Andacht zum 23. Oktober: Das Basilikum (Radioandachten-Reihe über Gewürze)

Guten Morgen!
In dieser Woche möchte in den Andachten einmal über die verschiedenen Kräuter und Gewürze in unserer Küche reden. Jeden Tag ein anderes – und mit dem Basilikum fange ich heute an. Das gehört zu den Kräutern, die bei uns daheim sehr oft im Einsatz sind. Am liebsten auf Tomaten mit Mozzarella. Ein paar Tropfen Olivenöl, etwas Balsamicoessig – da wird es in Franken ganz italienisch. Dank des Basilikums.
Und wenn ich dann beim Genießen dieser Tomaten an den letzten Italienurlaub denke, dann fällt mir eine alte Kirche ein, die ich dort angeschaut habe. Eine richtig schöne Basilika.
Moment: Basilikum und Basilika? Das klingt nicht nur gleich, das hat auch etwas miteinander zu tun! Basilikum ist nämlich das Königskraut; die Basilika die Königshalle. Denn als Christen anfingen, Kirchen zu bauen, haben sie sich bei der Form an der Basilika, an der Königshalle, orientiert. Aber vorne, wo in einer Wölbung das Standbild des Königs oder Kaisers stand, da stellten sie den Altar und das Kreuz hin. Eine klare Botschaft: „Bei uns ist nicht der Kaiser, sondern Gott die höchste Instanz.“ Das war damals mutig und hat den ersten Christen viel Ärger beschert.
Aber der Gedanke, dass politische Macht seine Grenzen hat, dass unser Glauben und unser Gewissen größeres Gewicht haben als die Launen der Herrscher – dieser Gedanke ist immer noch lebendig.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 14. Oktober: Der Zimt (Radioandachten-Reihe über Gewürze)

Guten Morgen,
in dieser Woche lasse ich mich für die Andachten von meinem Gewürzregal anregen. Apropos anregen – total spannend find ich den Zimt. Wenn ich da die Dose aufmache und daran schnuppere – dann ist irgendwie gleich Advent und Weihnachten in meinem Kopf. Da sehe ich Butterplätzchen, Stollen, Spekulatius und Backäpfel. Allein durch den Duft, der aus der Zimtdose steigt.
Es ist schon faszinierend, wie in meinem Kopf nur durch einen bestimmten Geruch Erinnerungen, innere Bilder und Gefühle wachgerufen werden. Das finde ich wunderbar. So ein bisschen schon an Weihnachten schnuppern, ein bisschen vorfreuen, ein bisschen Sehnsucht spüren nach diesem besonderen Fest der Liebe Gottes zu uns Menschen.
Aber dann mache ich sie auch gerne wieder zu, meine Zimtdose. Denn es ist ja noch nicht Weihnachten, wir haben grade mal Mitte Oktober. Das Besondere soll etwas besonderes bleiben. Darum mache ich jetzt auch gerne einen Bogen um die ganzen Weihnachtsartikel in den Läden. Denn die locken ja auch schon wieder mit solchen weihnachtlichen Düften und Geschmackserlebnissen.
Nö nö! Da warte ich mal lieber und freue mich erwartungsvoll auf die Adventszeit, wenn dann irgendwann zum ersten Mal wieder der Duft von eigenen frischgebackenen Plätzchen durch die Wohnung zieht.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 9. Oktober 2015: Radfahren lernen

Guten Morgen,
fast jeder von uns hat irgendwann Fahrradfahren gelernt. Das gehört ja zu den Dingen, die man selber tun muss. Selbst das trägste und verwöhnteste Kind, das es gar nicht anders kennst, als dass Mama und Papa alles erledigen: Radfahren lernen muss man schon selber.
Selber sich draufsetzen, selber zittern und wackeln, selber hinfallen und selber wieder aufstehen. Das zu lernen, kann dir keiner abnehmen! Von daher sind so Dinge wie Radfahren oder Schwimmen lernen wirklich eine ganz wichtige Erfahrung.
Wenn ich daran denke, wie das bei mir war… da war immer meine große Schwester Anita dabei. Anita hat beim Aufsteigen den Sattel gehalten, ist neben mir hergerannt, wenn ich wackelig die ersten Meter zurückgelegt habe. Und sie hat mich getröstet, als ich mit Karacho ins Gebüsch am Straßenrand gerumpelt bin.
Ohne meine Schwester wäre das alles nichts geworden – mein „selber-lernen“ hat doch jemanden gebraucht, der einfach da war. Der mir Vertrauen gibt, dass er da ist, mich manchmal anschubst, manchmal korrigiert, und in dessen tröstende Arme ich kommen kann, wenn es mal richtig schief gegangen ist.
Jetzt, über vierzig Jahre später bilde ich mir ein, auch täglich alles „selber“ zu können. Aber als Christ habe ich manchmal das gleiche Gefühl wie damals beim Radfahren-Lernen: Ich versuche die Aufgaben des Lebens selber hinzubekommen – aber so ein bisschen schiele ich nach hinten, und sag: Lieber Gott, ich versuch es jetzt mal, aber bleib bitte ganz nah hinter mir, dann geht es echt besser.

Einen guten Tag wünsche ich ihnen

Andacht zum 2. Oktober 2015: Florence Foster Jenkins

Guten Morgen,
nie werde ich vergessen, wie ich zum ersten Mal ein Lied von Florence Foster Jenkins gehört habe. Die gute Dame ist schon seit über 60 Jahren tot – aber sie gilt bis heute für viele als schlechteste Sängerin der Welt.
Florence wollte schon als kleines Kind Sängerin werden. Aber keiner wollte sie unterstützen, sie sang schräg, hatte kein Gefühl für Rhythmus … also das konnte nichts werden. Aber sie ließ sich nicht beirren. Sie investierte viel Geld in Gesangsunterricht und Unsummen in den Lebensstil einer Operndiva – Und tatsächlich gab sie mit 44 Jahren ihr erstes Konzert.
Und? Sie traf die hohen Töne nicht, verstolperte den Takt – und das Publikum war fasziniert. So schräg, so selbstbewusst, und so charismatisch – Florence Foster Jenkins wurde zum Geheimtipp, als schlechteste Sängerin des Landes – und füllte damit die Konzertsäle bis auf den letzten Platz.
Das letzte Konzert gab sie 1944 in der weltberühmten Carnegie Hall in New York, und auf dem Schwarzmarkt wurden horrende Summen für die ausverkauften Plätze gezahlt.
Warum sind die Menschen so auf diese Sängerin geflogen? Hatten sie es einfach satt, dass auf der Bühne alles perfekt und makellos sein musste?
Endlich eine Bühne für Menschen wir du und ich.
Eine Frau, die den Mut hatte, ihren Lebenstraum zu verwirklichen, egal, was die Fachleute sagen.
Und eine Gemeinschaft, die sagt: Schön, dass es dich gibt, heute wollen wir dir zuhören, einfach so – und nachher keine Noten vergeben.
Florence Foster Jenkins – ihren Namen muss man sich nicht merken; aber ihren Mut sollte man nicht vergessen

Andacht zum 25. September 2015: Muscheln sammeln

Guten Morgen,
im Urlaub am Mittelmeer haben unsere Kinder wieder Muscheln gesammelt – und irgendwann haben wir als Erwachsene auch damit angefangen.
Das hat schon was: Am Ufer entlanggehen und die Vielfalt der unterschiedlichen Muscheln zu bewundern.
Irgendwie ist jede doch anders, hat ihr eigenes Muster, einen speziellen Farbton oder hat irgend eine ungewöhnliche Form, die nur sie hat. Und wenn ich das Ergebnis unserer ganzen Sammelei dann gewaschen auf dem Tisch zum Trocknen liegen sehe – wie sie da glänzen – da komme ich ganz ins schwärmen, wie so ein gehobener Schatz liegen sie da. Irgendwie ganz schön kindisch. Es sind ja nur Muscheln, die zu Millionen am Ufer angeschwemmt werden, eigentlich völlig wertlos.
Jesus hat einmal gesagt: Ihr sollt werden wie die Kinder! Im Urlaub, bei den Muscheln fällt mir das nicht schwer: Wie ein Kind die unterschiedlichen Farben und Formen der Muscheln zu bewundern, mich in jede einzelne zu verlieben.
Wie schön wäre es, wenn ich daheim die vielen unterschiedlichen Menschen auch so begeistert bewundern könnte. Auch die etwas schrägen und bunten Zeitgenossen – ihren speziellen Glanz, des besondere Muster ihrer Persönlichkeit. Das fällt mir nicht ganz so leicht.
„Ihr sollt werden wie die Kinder!“ – ja, die Unbefangenheit und Offenheit de Kinder – die wünsche ich mir da oft.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 18. September 2015: Wespen!

Guten Morgen,
wie mich diese Wespen aufregen! Draußen beim Kaffeetrinken auf der Terrasse: Eins oder zwei dieser Biester fliegen immer um uns herum … in diesem typischen hektischen Zick-Zack-Flug. Ja, und wenn ich dann anfange, sie irgendwie mit der Fliegenpatsche zu erlegen, dann schimpft meine große Tochter: Lass die doch in Ruhe! Die tun doch nichts, die wollen bloß ein bisschen fressen und gehen dann wieder. Wehe, du tust denen was an!
Ich sag´s ihnen: Die Diskussion, die danach kam, hat mich noch mehr aufgeregt, als diese blöden Wespen. Vielleicht hat mein Ärger auch damit zu tun, dass ich erkennen musste: Eigentlich hat meine Tochter Recht. Die Wespe will nichts Böses, ein klitzekleines Krümelchen vom Pflaumenkuchen wäre ihr schon genug. Dann ist sie glücklich und kann ihr Wespenleben zufrieden weiterführen – ihren Nachwuchs füttern, ihr Nest bewachen.
Albert Schweitzer hat gesagt: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Respekt, Ehrfurcht von den anderen Geschöpfen, vor deren Leben und ihren Bedürfnissen. Das vergesse ich manchmal viel zu schnell, wenn sie mein bequemes Leben stören. Und da hat meine Tochter einfach recht, wenn sie fragt: „Was ist wichtiger. Dein Komfort, oder das Leben deiner Mitgeschöpfe?“
Und da ahne ich: Diese Frage könnte ich mir ein paar Mal täglich stellen.

Einen guten, aber nicht unbedingt bequemen Tag wünsche ich ihnen.

Andacht um 13. September 2015: Franken-Derby

Guten Morgen,
das Franken-Derby rückt immer näher. Ich bin auch schon gespannt, wie es wird. Momentan kann ja keine der beiden Mannschaften von sich behaupten gerade auf der Welle des Erfolgs in den Ronhof hineinzureiten. Beide hoffen das Beste, und ahnen, dass es auch richtig schief gehen kann. Eigentlich sind beide Mannschaften da so richtig mittelfränkisch-evangelisch: Man tät´sich zwar wünschen, dass alles besser, erfolgreicher und problemloser läuft – aber man weiß: Bei mir wird es halt meistens doch nicht so toll.
Das kann man von Paulus und von Luther lernen. Auch zum eigenen Mittelmaß zu sagen: Es ist in Ordnung so, ich akzeptiere meine momentanen Schwächen und mach das Beste draus.
Das ist evangelisch.
Ich bin nicht immer der Sieger, und ich zerbreche nicht dran, wenn es immer wieder auch schief geht.
Schwächen und Fehler muss man nicht beschönigen – aber ich kann ja als Fan nicht einfach den Verein wechseln, weil miserabel läuft.
Mit Höhen, mit Tiefen und mit langen Zeiten des Mittelmaßes zu leben und zu wissen, dass sie dazugehören – das ist die hohe Kunst des Lebens, nicht bloß am Spielfeldrand.
Ein gutes Wochenende wünsche ich Ihnen

Andacht zum 9. September 2015: Welttag für FAS-Kinder

Guten Morgen
wissen wie welches Teil des Körpers die alten Griechen als erogenste Zone des Menschen vermuteten? Das Philtrum!
Das ist das Grübchen, das sich von der Oberlippe bis zu Nase hochzieht. Und dieses Grübchen dellt ja die Oberlippe auch ein bisschen nach unten ein. Das nennt man bis heute „Amorbogen“. Ist irgendwie süß – oder?
Aber es gibt auch Menschen, die haben dieses Grübchen gar nicht. Das fehlt einfach.
Bei einigen ist das einfach eine Laune der Natur.Bei manchen Anderen fehlt es, weil ihre Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat. Und diesen Menschen fehlt dann meist nicht nur der süße Amorbogen ab der Oberlippe. Ihnen fehlt es an Einfühlungsvermögen, an Konzentrations- und Lernfähigkeit, sie bekommen ihr Leben nicht organisiert, haben kein Gefühl für menschliche Nähe und Distanz.
Alles nur, weil Mama gemeint hat: Das macht ja nichts, das bisschen Alkohol….

Heute ist der Welttag des alkoholgeschädigten Kindes.
Der Tag, der uns daran erinnert: Mancher, der uns verplant und mit seltsamen Verhalten begegnet kann nichts dafür -, das ist Teil seiner Krankheit, er kann sich nicht verändern.
Verändern müssen wir uns – die wir das Glück hatten – mit Grübchen und ohne Alkoholschädigung auf die Welt zu kommen.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Andacht zum 16. August: Olli ist tot

Guten Morgen,
Olli ist tot. Er ist nicht das erste Meerschweinchen, von dem wir Abschied genommen haben – aber diesmal war alles anders. Kurz nachdem unsere Kinder die Meerschweinchen ins Freigehege getragen haben, ist Olli plötzlich umgefallen, er atmete ganz schwach und aus der Schnauze liefen einige Tropfen Blut. Schreiend kamen meine zwei Töchter zu mir – und auch ich musste mir eingestehen: Olli wird jetzt wohl sterben.

Das Entsetzen war groß- aber nach ein paar Minuten war für die beiden Mädchen klar: wir sind auch jetzt für Olli da. Sie trugen ihn in eine schöne Ecke des Gartens und streichelten das sterbende Meerschweinchen – Bis sein kleines Herz zu schlagen aufgehört hatte. Sie haben an diesem Abend viel geweint, ihm ein Grab hergerichtet mit einem Meer von Gänseblümchen, und eine ganze Woche lang wurde täglich ein Teelicht auf Ollis Grab gestellt.

Wissen sie, ich bin stolz auf unsere Kinder.Damit meine ich nicht nur meine beiden – sondern generell; Unsere Kinder können viel mehr, als wir ihnen manchmal zutrauen, oder auch zumuten wollen. Und machmal können wir auch etwas von ihnen lernen – zum Bespiel den Mut, einem Sterbenden beizustehen – einfach dazusein, seinen eigenen Gefühlen zu folgen und zu sagen: Olli, hab keine Angst, wir lassen dich nicht allein.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen